418/11: Geburtstag: Happy birthday, Neil Diamond! – Eine Songwriterlegende wird 70!

Banner Legenden: Historische Schmachtfetzen

Ich legte die CD „Sketches Of Spain“ von Miles Davis, erschienen 1960, ein und schlug den Anderen vor, sich mal die spanisch anmutenden Trompetensätze auf der Scheibe anzuhören. Nach kurzem sagte der Gitarrist zu mir, er legt jetzt mal was anderes auf. Das macht ihn depressiv. Er lachte, das fand er lustig. Miles Davis macht ihn depressiv, sagt er: Selbst schuld. Für gute Musik muss man sich „das Ohr“ hart erarbeiten! Dieselben nicht so schnell zumachen. Nicht so oberflächlich bleiben. Es ist schon ein ganzer Lebensentwurf, „open minded“ für Neues zu sein und es vor allem zu bleiben. Nicht jedermanns Sache…

So erging es mir auch mit Neil Diamond, nein, nicht so, sondern so ähnlich. Der Unterschied: Ich war erheblich jünger. Es war in den frühen Siebzigern, wann genau erinnere ich nicht mehr so genau. Song sung blue war so ein Song, dem ich zunächst nichts abgewinnen mochte und irgendwie fand ich auch, er sei eher irgendwie „spießbürgerlich“. Allerdings gab es noch einige andere Songs dieses Sängers Neil Diamond, und ich muss rückblickend sagen, dass sich seine Ideen für gute Songs in meinem Gehirn festgefressen haben, heute bin ich voll guter Gedanken, wenn ich Neil Diamond vor meinem geistigen Auge zum 70-sten Geburtstag gratuliere.


Neil Diamond – Song sung blue – via Youtube

Zur Musik selbst sagt bzw. singt der Inspirierte, der nicht tumb ist und seine Freizeit abzumeiern sucht mit wegen billigen Verdrusses:

What a beautiful noise
Comin‘ up from the street
Got a beautiful sound
It’s got a beautiful beat

It’s a beautiful noise
Goin‘ on everywhere
Like the clickety-clack
Of a train on a track
It’s got a rhytm to spare

It’s a beautiful noise
And it’s a sound that I love
And it fits me as well
As a hand in a glove
Yes it does, yes it does

What a beautiful noise
Comin‘ up from the park
It’s the song of this kids
And it plays until dark

It’s the song of the cars
On their furious flights
But there’s even romance
In the way that they dance
To the beat of the lights

It’s a beautiful noise
And it’s a sound that I love
And ist makes me feel good
Like a hand in a glove
Yes it does, yes it does
What a beautiful noise

It’s a beautiful noise
Made of joy and of strife
Like a symphony played
By the passing parade
It’s the music of life

What a beautiful noise
Comin‘ into my room
And it’s beggin‘ for me
Just to give it a tune

banner AudioCreditsNeil Diamond, Beautiful Noise (1976)

Ja, die Jahre sind vergangen im Sauseschritt. Was obiger Gitarrist über Miles Davis sagte und dass es ihn depressiv macht, weiß ich inzwischen als unreife, intolerante Geisteshaltung Musik gegenüber zu interpretieren. Ich musste darüber erst ein wenig nachdenken, es hat mich beschäftigt. Mir sagen diejenigen Menschen mehr, die von einer Art kindlicher Neugier geprägt sind und noch nicht so sehr mit vorgefassten, vorgestanzten Werturteilen aufwarten. Die das Klassische so mögen, wie den Jazz und die Rockmusik so sehr wie den Swing. Hauptsache, es hat Tiefgang und perlt nicht so unbedarft, uninteressant und gelangweilt dahin wie alles Oberflächliche dahinzuplätschern pflegt.

Neil Diamond´s Birthday Cake (via Twitter/yfrog)

Neil Diamond´s Birthday Cake (via Twitter/yfrog)

Und genau so ist auch Neil Diamond. Wer ihn einfach nur als Frauenschwarm der Siebziger-Frauenbewegung (!!) abtut, wird seinem Lebenswerk nicht gerecht. Aber was soll ich hier herum schwadronieren: Die blind sind, können nichts sehen und die nicht zuhören können, deren Gedanken sind verklebt vom Vertrauten, dessen bekannte Wendungen besser vertraut vorkommen als das Interesse am Unvertrauten, am Neuen, am bisher noch nicht Gehörten.

Wie soll man nun am 70-sten Geburtstag einer amerikanischen Songwriterlegende angemessen auf das Thema zurückkommen, dass Menschen „depressiv werden“, wenn sie bestimmte Musik hören? Z.B. Miles Davis.  Es gibt keine allgemeingültige Antwort, jeder darf nach seiner Facon glücklich werden oder auch depressiv.

Ich kann es für mich so beantworten:

Selbst schuld, sich bei Lebzeiten schon so zu begrenzen. Mir wird Musik nur zu viel, wenn sie nicht gut genug ist. Wenn sie nicht einen Spirit des Musikalischen atmet, wenn die Soundkulisse zugenagelt wird von uninspiriertem Gehacke, Gesemmel, dichtem Audiobrei, der sich nicht entfalten kann zu etwas Großartigem.

Danke, Neil Diamond, für viele, viele gute Songs und ein unvergleichliches Timbre, eine sonore Gesangesstimme, die man unter „ihresgleichen“ suchen muss, aber nicht wiederfinden wird. Denn so viel ist sicher: Man erkennt diesen Sänger schon nach wenigen Sätzen. Und -bei der Gelegenheit- danke an Miles Davis, für alles! Du hast solche Spötter wie diesen nicht verdient, die dein Lebenswerk in den Schmutz ziehen und  behaupten, sie würden depressiv!

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