

Ich habe abgewogen. Mit einem SPIEGEL-Abo hadere ich. Immer wieder. Ich habe nicht genügend Zeit, mich intensiv als Leser und passiver Konsument zu betätigen. Es gab und es gibt immer wieder Veröffentlichungen, die ich wie mit einem Grenzflächenmikrofon wahrnehme. Manches hat einen Sound des unglaublich Unerträglichen. Jawoll, man kann trefflich über den SPIEGEL streiten. Ich fasse das Medienangebot aus HH nicht als Anschlag auf allerbeste Demokratie auf oder gar als agitatorische, interessengeleitete Hetze. Eine solche Institution hat zu sagen, was ist. Punkt. Folglich sitze ich wie Vincent 1948 in der verrotteten Empfangshalle beim Spiegel (mit KI) und direkt in der Fantasie des kränklichen George Orwell, der wie kein anderer kurz nach dem Zweiten Weltkrieg selbstreflektorisch fiktionierte. Weltkrieg II vorbei, Kommunist Orwell hatte im spanischen Bürgerkrieg mitgewirkt. Ganze große gesellschaftliche Skizzen von Tragweite und tiefer Beobachtungsgabe: In wenigstens den Büchern „Farm der Tiere“ und „1984“ beschrieb Orwell ein widersprüchliches Zerrbild menschlicher Widerlichkeit, wahnwitzige Unterdrückungsapparate und Strukturen von so großer Bösheit, dass man ihn nur als einen bedeutsamsten Schriftsteller seiner Zeit betrachten kann. Wer Orwell nicht gelesen hat, hat große Fehler begangen. Allerdings muss man ihn auch verstehen. Die Zeit hat sich weiterentwickelt, wie sich Zeit weiterentwickelt. Es wird kein zweites III. Reich geben. Das Böse wiederholt sich niemals deckungsgleích. Die braune Masse lebt und klebt, sie lernt aus Fehlern und wappnet sich für Größeres. Die Linken sehen nicht, wie sie ihnen dabei helfen. Dabei sind die Klügsten aller Reußen stets Linke gewesen. Ein unauflöslicher Widerspruch.
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Im Jahr 2026 wurde die Lage für den aufgeklärten Journalismus endgültig existenzbedrohlich. Im Netz rotteten sich die Menschen zu ideologischen Meinungsbanden zusammen. Sie duldeten Berichterstattung nicht mehr, wenn sie nicht mit ihrem zerrütteten Weltbild übereinstimmte. Vincent (Bild) beobachtete den Verfall von einer alten Bank aus, umgeben von Trümmern einer Epoche, die einst auf die Macht des geschriebenen Wortes vertraut hatte.