503/11: Video: Jan-Josef Liefers lieferte „Soundtrack seiner Kindheit“ ab und sang sich eins! Nein, mehrere!

Jegliches hat seine Zeit, Steine sammeln, Steine zerstreun…. (Puhdys, Wenn ein Mensch)

Jan-Josef Liefers, so scheint es, ist ein netter Mensch. Das muss er auch sein: denn er hat eine mehr als nette Frau namens Anna Loos, die wiederum ist eine Art „german frolleinwunder“ und beide sind Schauspieler. Dass das schon häufiger so anerzählt wurde, mag daher ermüden, nur wie soll man eine „kurze Geschichte“ zweier Königskinder angemessen „narrativ“ verarbeiten. Ohne gleich in Therapie zu kommen? Eingewiesen, womöglich nach Münster zum Gerichtsmediziner Liefers mit einer zwergenwüchsigen Assistentin? Oder bringe ich da was durcheinander? Egal.

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Soundtrack meiner Kindheit Jan-Josef Liefers live @Dresden – via Youtube 

Türen öffnen sich zur Stadt….und weiter hinten, im Instrumentalteil des Stücks Anleihen bei Uriah Heep und Deep Purple, ja, in DDR-Deutschland wussten die experimentierfreudigen Rockmusiker seinerzeit durchaus, wie man international gesehen großartige, verschachtelte Kompositionen abliefert, die den damaligen Zeitgeschmack trafen. Die Puhdys gehörten unbedingt dazu. Und es mit Jan-Josef Liefers nun nochmal durchzuhören.

Wir schreiben das Jahr 22 nach der „Zeit der Wenden“ über ganz Deutschland, eine Art Sommersondenwende steht uns bevor.

Ich könnte ihn auch schreiben, den „Soundtrack meiner Kindheit“, aber es würde vermutlich weit weniger Menschen interessieren. Interessant wird das durch mehrere Gesichtspunkte gesamtdeutschen Nachwendeschaffens. Da  ist zum einen der Protagonist der musikalischen Chroniken von Halberstadt, oder war es von Gera, Suhl und Thüringen? Jan-Josef Liefers gilt in Deutschland als äußerst populärer Schauspieler. Im Grunde genommen ist Liefers nicht nur musikalisch ein Kosmopolit. Zu klein Deutschland, zu groß Liefers. Allerdings, und damit bekommt die hier erzählte Geschichte einen „berolinesken“ Mittelpunkt: Liefers und Frau leben in Berlin-Südende, das ist da, wo die Berliner Steglitz sagen, wenn sie Südende meinen und nicht Lichterfelde, weil sie Lichtenrade meinen. Alles klar?

Manchmal joggt er um den Schlachtensee, unauffällig und vorbei an anderen, wie z.B. dem Schauspielerpärchen Sawatzki/Berker und auch „ganz realen Normalos“ wie uns selbst. Und häufig geht er auf die Filmrolle, dreht sich eins, selbstgedrehte Filme ohne jede Krebswarnung, als Kommissar, vertrottelter Gerichtsmediziner und zuweilen sogar als ganz verträumter Hedonist im Stil der aufgehenden Sonnenromantik. Wenn er mit der Band Oblivion die Bühne betritt, ist es eine gesamtdeutsche Bühne, hüben und drüben. Wie in dem hier gezeigten, aufgezeichneten Kamasutra-Auftritt in Dreschden.

Dann macht Liefers, was Liefers lieber täte als schauspielern tun. Wirklich? Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht. Was man macht, um über das Überleben hinaus zu Ruhm und Ehre zu kommen, ist oft das, was wir vergeblich anfassen, ohne es vorher zu wissen. Es spielt kommerziell nicht so die Rolle, obwohl: es läppert sich, vermutlich. Liefers ist auch gesamtdeutsches Marketing, mal im Verband mit Anna Loos und Silly, mal ohne Silly, dafür bei Ina Müller, Deutschlands bester Background-Sängerin weltweit, in der Hafenstampe oder -gründlich, medizinisch korrekt- im weißen Kittel, mit Brille und Leichenschraubstock mit Geige. Ja, die musikalischen Avancen des Jan-Josef Liefers, die wir als „Soundtrack seiner Kindheit“ zu hören bekommen, kommen „rough“ (sprich: raff) daher, roh, ungeschliffen und lauter DDR-deutsche Musikdiamanten. Liefers ist der Juwelier, der Erzähler, Sänger, Vorleser und Geschichtenvermittler. Es gibt alles auch zu kaufen, die Musik, die Texte, nachdenklich, verspielt und resümierend.

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Erich Honnecker zur Bedeutung der Beatmusik – via Youtube 

In jedem Fall erzählt Jan-Josef Liefers uns mehr, als viele andere deutsche Bands auf der Bühne an Erzähl- und Strahlkraft aufwenden können. Vielleicht weil sie sich nicht trauen? Das wäre doch mal ein (Ge)Denkanstoß. Denn Deutschland hat ihn ja bereits: Den Club der toten Dichter. Dies schließlich deutet ja einigermaßen unmissverständlich darauf hin, dass es Zeit wäre, den Nachwuchs zu pflegen, die lebendigen Dichter pre, nicht post mortem zu verehren und Musik auf eine Weise vermittelt zu bekommen, die über das elendige „I love you, baby“ und „Let´s have a party tonight, yeah!“ hinaus zu kommen. Was Jan-Josef Liefers obliviont (neudeutsch für abliefert), ist alles andere als lächerlich. Gut gemacht.

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