933/14: Lied des Tages: Pete Wyoming Bender – „Ein Leben lang“

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Ich schenk mein Leben her, als ob es gar nichts wär. Ich leb, als hätte ich tausend Leben. In jedem Augenblick verschwende ich ein Stück. Wofür hab ich es hergegeben?

Irgendwann koppelt der Künstler im Ausgang seines Lebens das persönliche Erleben ab vom Fortschritt der Menschheit an sich: Ein Rückzug ins Private. In die Richtung eigener Endlichkeit begibt man sich alleine. Picassos letzte Worte sollen 1973 gewesen sein: „Trinkt auf mich, trinkt auf meine Gesundheit. Ihr wißt, ich kann nun nicht mehr trinken.“ (Picassos Last Words – Drink To Me). Gesungen hat das Paul McCartney, eine seriöse Quelle. Karlheinz Stockhausen ist als Inspirationsquelle von McCartney verbrieft („A Day In The Life“, Beatles).  McCartney war nicht so alt, als er 1973 das Album in Afrika unter Fluchtbedingungen praktisch allein aufnahm: „Band On The Run“. Tja, eben.

Ein Leben lang, was heißt das schon? Wie Wasser läuft die Zeit davon. Und hier die Antwort läuft mit dir. Und nur die Fragen bleiben mir.

Auf praktisch entspannte Art und Weise schaute Johnny Cash auf sein Leben zurück, bevor er starb, indem er noch ein letztes Album aufnahm, eine Collage von lauter Coversongs nach berühmten Vorlagen. Genau: Es gibt gute und gibt schlechte Musik. Die gute bevorzugt man, geht es nach Satchmo, der das festgestellt hat. Und Johnny Cash war herumgekommen.

Ich liege manchmal wach und denke daran, was ich dir alles nicht gegeben. Verzeih. Was kann ich tun? Ich hab nur dieses eine Leben.

Craig Lees, ist Engländer und hat mit Pete Wyoming Bender schon seit längerem an der neuen Platte gearbeitet. Eigentlich sollte sie längst fertig sein. Weitere Arbeit daran musste immer wieder warten. Aus diesen noch ungeschliffenen Rohdiamanten stammt die hier und heute hörbare Aufnahme des Songs „Ein Leben lang“ (1982).  Ein Rohdiamant, ein Rohmix, es wird am Ende einen Finalmix davon geben.

Drink To Me, Drink To My Health
You Know I Can’t Drink Any More
Drink To Me, Drink To My Health
You Know I Can’t Drink Any More
Paul McCartney, 1973 „Picasso´s Last Words“

Doch seltsam: Wie der Text sich doch Bahn bricht und von Anfang an Intimität ausstrahlt, uns mitnimmt in ganz wesentliche Gedanken des Komponisten und Worttexters Pete W. Bender. So in etwa können wir Altersweisheit und Milde auffassen, ja, vielleicht sogar irgendeine Art von Wissen oder Vorahnung, dass nun bald alles endet, was viel früher, im zweiten Weltkrieg anfing zu werden. Craig Lees sagt, Pete W. Bender habe diese Aufnahme in einem Stück eingesungen, ein „first take“. Erster Versuch, gelungen, passt, das nehmen wir. Es sei eben „old school“, bzw. große Schule, das zu beherrschen.

The Story Behind: Paul McCartney Song Challenge by Dustin Hoffmann

Als Paul McCartney urlaubte, traf er Dustin Hoffmann. Dustin Hoffmann befragte ihn, wie Paul Songs schreibe? Es erschien ein Artikel im Time Magazine, das Ableben von Pablo Picasso beschreibend.

v.l.n.r. Eberhard Klunker, Pete Wyoming Bender, Hansi Biebl

v.l.n.r. Eberhard Klunker, Pete Wyoming Bender, Hansi Biebl

v.l.n.r. mit Eberhard Klunker, Pete Wyoming Bender, Hansi Biebl 1975 in Ostberlin

Banner FotoCreditsEberhard Klunker (mit Dank), Privatarchiv

Kolportiert sind Picassos letzte Worte mit: „Drink to me, drink to my health, you know I can´t drink anymore.“ Picasso sagte sie in französischer Sprache. In diesem kurzen Video-Einspieler erklärt Paul McCartney die Vorgehensweise. Wir erfahren, dass Songs schreiben Nähe zur eigenen Lebenswirklichkeit hat, zu dem, was einen stark berührt. Songs schreiben hat therapeutischen Charakter, zuweilen.

Die Wirklichkeit, ist sie das schon?

In diesem Sinne löst sich der nachdenkliche, irgendwie meditative Songtext von Pete W. Bender auf als sein Zurückschauen aufs Leben: War ich eigentlich dankbar genug für das, was mir dies Leben geschenkt hat?

Kurze Zeit später stirbt Pete nach Komplikationen, die er medizinisch behandeln hatte wollen. Anders: Er überlebt sie nicht. Derartiges muss man unterschreiben, als mögliche Folgen derartiger Eingriffe hinzunehmen. Wie traurig. Es ist vorbei für immer. Es bleibt die Musik, wie immer.

Ein Leben lang, was heißt das schon? Die Träume schwimmen dir davon. Was dir dann noch übrig bleibt, sag, ist das die Wirklichkeit?

Craig Lees, danke, danke! für diese intime, vertrauliche Leihgabe aus dem Fundus unvollendet gebliebener Werke von Pete W. Bender als Gottesgeschenk für seine Fans und Hinterbliebenen. Sehr gespannt, ob eines Tages die letzten Aufnahmen von Pete W. Bender mit Craig Lees die Öffentlichkeit finden? Au, schön, dieser Gedanke.

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_link Lotse

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