Mo. Dez 5th, 2022

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Blue Moon Shoe Crash Postkarte
Blue Moon Shoe Crash Postkarte

Themenschwerpunkt: Bühnenoutfit für Musiker, coole Kleidung für Rock-, Pop-, Jazz-, Soul- und Musikfans aller Art

Sunny ist Verkäuferin schon seit einigen Jahren im Blue Moon. Sie vertritt den Inhaber des Ladens, der seit dem 01.09.1978  in der Berliner Uhlandstr. 33 (10719 Berlin) ansässig war, seit vielen Jahren, und es jetzt nicht mehr dort ist! Der Inhaber des Ladens heißt Armin Andersch und verfährt nach dem Motto „We stay small to serve you better“. Da antworten wir mit einem gekonnten „This has me very gefreut“ und überlegen nicht lange.

Sunny könnte Neugierige, die sich das Näschen an der Schaufensterscheibe plattdrücken, aber auch anders begrüßen: „Seid gegrüßt, Freunde der edlen Fußbekleidung!“. Ohhhhh, Schuuuuhhheee, ich will Schuuuhhhee, stöhnt die imaginäre Passantin, als sie sieht, dass hier noch das in Frage kommt, was für Fußfetischisten allein in Frage kommt: Schuhe. Deutschland, einig Fußvolk! Und dann tanzen, das Beste, was Füße tun können, ist abtanzen. Obwohl es das nur unscharf trifft. Das Blue Moon ist mehr als eine Schuhgeschäft.

 

Chris Isaak – Blue Moon- (via Youtube)

Umzug in die Damaschkestr. 24, 10711 Berlin

Man fängt Beschreibungen wie diese mit dem Wichtigen zuerst an: das Näschen plattdrücken an der Schaufensterscheibe Uhlandstr. 33, genau genommen ist das jetzt Geschichte. Exakt vom 1.9.78 bis zum 28.05.10 war das nur dort möglich. Eine Nase „zu ziehen“, kam hier nicht in Frage. Eine Nase platt zu drücken schon eher. Der ganze Laden musste da jetzt raus. Der Eigentümer des Hauses und Vermieter des Ladens hatte was vor mit einer Spielbank, uarghhh, schöner wird’s mit Sicherheit dort nicht nach dem Umbau.

Weiter geht es jetzt in der Damaschkestr. 24 in Charlottenburg, berolinisch „umme Ecke“. In dieser Ecke auch viele Asiaten. Es erscheint uns nicht ganz abwegig, wenn uns die Asiaten gern „bignoses“ nennen. Werden nun im Einzugsgebiet von Damaschke-, Hektorstraße und Kudamm, Endstation Halensee, auch „flatnoses“ gang und gäbe werden, weil alle Charlottenburger und zufällig vorbei Flanierende sich an Sunnys Schaufenstern die Nasen platt drücken?

Egal: es gibt genügend HNOs (Hals-, Nasen-, Ohrenärzte mit Schwerpunkt Nasenrückenkunde) in der Gegend: fußläufig erreichbar! Die Karten sind neu gemischt, die Aktien stehen nicht schlecht, dass sich das Geschäft durch den Umzug positiv befruchtet: ein neuer Laden, ein neues Glück, ein neues Fundorado. Rock- und Popfans aufgepasst und Musiker sowieso: Hier werden sie geholfen! Eventuell und falls eins der „begehrten Einzelstücke“ (O-Ton Sunny) nicht gerade „aus ist“.  Nachschub, Artikelstruktur sorgfältig überwachen und Bezugsquellen sichern, Lagerbestände, die sich als verkaufbar erweisen könnten und am Ende: glückliche Gesichter!

Blue Moon - ex-Laden in Uhlandstr., Wilmersdorf
Blue Moon - ex-Laden in Uhlandstr., Wilmersdorf

Blue Moon –  das ist jetzt ein Ex-Laden in der Uhlandstr., Wilmersdorf

Etwas unscharfe Systembeschreibung

Hier noch ein weiteres Stück roter Faden in diesem Text und zurück zum Portfolio dieses  Ladens. Der Laden wendet sich keineswegs nur an diejenigen, die edles Schuhwerk als etwas Wesentliches in ihrem Leben begreifentreten möchten. Hier gibt es auch Jacken, Hemden, ganze Anzüge und allerhand „schräges Zeugs“. Der Laden eignet sich vorzüglich für Musiker und andere Selbstdarsteller, die sich auf Bühnen des Lebens maß- und passgerecht präsentieren möchten. Ein Hoch auf die Selbstdarstellung! Jacken, Kutten, Accessoires, aber (und vor allem dies) leider derzeit keine Offiziersjacken, wie sie die Beatles in ähnlicher Weise auf dem Kultalbum Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band trugen.

Seitenhieb: An einem vollkommen anderen Tag, anderem Ort und in anderem Zusammenhang. Im Kreuzberger Spreestern-Restaurant, der früheren Tarantel, liest der Buchautor Wilhelmm Ruprecht Frieling (genannt: Der Bücherprinz) von „APO, Sex & Rock’n Roll“ in den auslaufenden Sechziger-Jahren vor. Dort sitzt auch Werner (* Name geändert) und Werner hat so eine Jacke an. Tommy Tulip, der Autor dieses Artikels, macht sich gleich mal an Werner ran, obwohl sich an Werner ranmachen eigentlich nicht Tommys übliche Art der Kontaktanbahnung darstellen würde. „Darf ich sie mal anfassen, streicheln?“, fragt Tommy Werner, die Jacke, und Werner gestattet verunsichert das Unübliche.

Die Jacke ist nicht dick „im Strick“, sondern feinfühlig, aus leichten Stoffbahnen, mit silbernen, im 45°-Winkel noch oben zulaufenden Schulterstücken, marineblau, dunkel. „Ja“, stöhnt Tommy, „so eine will ich auch haben!“ Wo er die her hat, fragt Tommy, und Werner zückt sein iPhone, ruft „maps“ auf. Irgendwo in der Uhlandstr. ist so ein „rattenscharfer“ Laden. Er scrollt über die Lietzenburger Str. und die Kreuzung Lietze/Uhlandstr und „da anne Ecke“.

Zeitensprung vorwärts, ein paar Tage später: Wir sind aufgebrochen, lange nach der Autorenlesung im Fokus der Wilden Sechziger (Uschi Obermaier for President! Rainer Langhans for Chancellor!), zur Uhlandstr. – joggend in passender, aber stilgerechter Sportbekleidung rennen wir schweißnass vom Hohenzollerndamm in die Uhlandstr. einbiegend, links….und zwei, drei, vier….

Aus der Spezialistengruppe: Musikerwitze bei facebook: Was war der gemeinsame Nenner von Rainer Langhans, Keith Richard und Mick Jagger? Antwort: Uschi Obermaier

Radioberlin: Plakat Popfan bleibt Popfan!
Radioberlin: Plakat Popfan bleibt Popfan!

Tja: RadioBerlin sagte es bereits: Popfan bleibt Popfan. Wir fügen hinzu: Dressman bleibt Dressman, Funkfan bleibt Funkfan, und von Funkfragen abgesehen bleiben Rock’n-Roll- bzw. Countryfans immer das Selbige, oder zumindest etwas Ähnliches, im Herzen, wie im Geiste, sozusagen im „inneren spirit“. Leute, es dauert nicht mehr lange, dann wird in Seniorenheimen von Berlin zum Fünfuhrtee nach den Rolling Stones verlangt oder nach Iron Butterflys In A Gadda da Vida. Dennis Hopper (Easy Rider) ist jetzt gestorben, aber seine Losung ‚Am Morgen ein Joint, und der Tag ist dein Freund“, wird er unsterblich werden?

Willst du aussehen, wie ein echter Mod? Ein Teddy mit Leopardenfell und Pepitaaufsatz? Erinnerst du noch Gary Glitter und die Rock’n Roll-Combo Showwaddywaddy? Sweet, Slade oder ganz anders: Nicolas Cage, der eine Schlangenlederjacke trägt? Die gibt’s da nicht, übrigens, aber fragen kost nüscht. Wenn es sie in Berlin gäbe, dann wäre hier eigentlich der richtige Laden, um eine zu kaufen.

Sunny ist unentbehrliches Inventar in der Kaufhöhle

Sunny - Blue Moon Wilmersdorf
Sunny - Blue Moon Wilmersdorf

Für Berlin-Brandenburger aber gilt landesweit: Ruf an! Nettes Girl in deiner Umgebung! (Aus anderer Branche, sinngemäß abgekupfert)

„Sunny koofste mit“, wenn du da einkaufen gehst, und dass du da bald einkaufen gehst, könnte mit dieser Berichterstattung zu tun haben. Wir brauchen nach wie vor mehr, anstatt weniger solcher kleinen Perlen des Einzelhandels. Die stadtweite Verelendung der Einzelhandeskultur durch immer mehr dämliche Shoppingmalls mit stets ähnlicher Shopstruktur und stets ähnlichen Firmenmarken, Global Playern und allerhand unnötigem Schnickerdöns würde uns sonst umbringen und jeglicher Individualität berauben. Sunny „perlt auf dich“ zu, wenn du anrufst und dich wie eine ungereifte Tulpenzwiebel fühlst. Das Haar sitzt dir noch nicht, die Gamaschen sind in die Jahre gekommen und das Kunst-Leopardenfell-Bustier klemmt irgendwie. Alles kein Problem: Wendest du dich einfach an Sunny, rufst sie an oder schaust vorbei. Müssen wir bei Gelegenheit wieder tun: Sunny soll das Bühnenoutfit besorgen, bitte sehr!

8 Gedanken zu „198/10: Personen: Sunny vom Blue Moon, unsere Stylingberaterin in Sachen Rockstarwerdung! (Kult)“

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