192/10: Radio blackbirds.tv im Gespräch mit Gerhard Lawrentz, Bezirksstadtrat a.D.

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Beatles oder Rolling Stones? Bill Ramsey oder Trude Herr? Sekt oder Selters? mp3-Player oder CD-Player?

Mit der Gründung einer Spezialistengruppe: Beatles oder Stones? auf facebook ist eine Reihe von Themen losgetreten worden, die der weiteren Vertiefung dieses unnützen Themas dienen. Nolens volens und nun: blackbirds.tv führte ein Interview mit dem Berliner Bezirksstadtrat a.D. Gerhard Lawrentz (CDU), Jahrgang 1945, Berliner seit einer Anzahl von kaum noch zählbaren Jahren.

Das Gespräch führt uns vieles vor Augen, vor allem aber eins: In den wilden Sechzigern gab es in Berlin 1966 das berühmte Rolling-Stones-Konzert in der Waldbühne.  Das Konzert endete in einer Havarie, die Bestuhlung hatte sich während des Konzerts aufgelöst. Es flogen Bänke, Randale pur. Aber wie war diese Zeit? Ein paar Hintergründe dazu von einem Zeitzeugen. Gerhard Lawrentz entpuppt sich als ausgewiesener Kenner der Musik- und Pop- und Rockgeschichte. Das Interview war vergnüglich und führte unaufgezeichnet auch nach Thüringen, in die pränatale Phase seines Lebens und bis in die Gegenwart. Nicht alles wurde aufgezeichnet. Kann man aber durchaus bei passender Gelegenheit fortsetzen.

Gerhard Lawrentz, Musikliebhaber, Fan & Politiker i.R.

Gerhard Lawrentz, Musikliebhaber, Fan & Politiker i.R.

Interview blackbirds.tv im Gespräch mit Gerhard Lawrentz – 08.06.10 – via Soundcloud

Wollte ich schon immer mal erzählen. War sonst noch jemand dabei?

Im September 1965 kamen die Rolling Stones zum 1. Mal nach Berlin(West), in die Waldbühne. Ihr aktueller Hit war damals Satisfaction“, vielleicht einer der größten Hits aller Zeiten. Ich war damals 15 und ging in die 9. Klasse. Die Waldbühne war komplett ausverkauft. Alle waren voller Erwartung. Nach dem Vorprogramm verkündete endlich ein Sprecher „And now: The Rolling Stones!“ Die Band erschien. Alles schrie, alle drängten an die Bühne, die mindestens 2 m hoch war. Ein Freund nahm mich auf seine Schultern. Wir schrieen „Brian Jones! Brian Jones!“ Im Ernst! Fast 20 000 Leute! Ordner stießen immer wieder die Leute von der Bühne, die sie mit Hilfe von Freunden erklettert hatten. Sie wurden einfach wieder in die Menge zurück geworfen. Wüste Szenen! So ging das eine gefühlte halbe Stunde. Von der Musik hörte ich nix!

Auf einmal verschwanden die Stones. Der Veranstalter trat ans Mikrophon und verkündete ein paar Mal das Ende des Konzerts. Wie bitte? Wir konnten es nicht glauben. Keiner ging. Als er sah, dass keiner ging, verlor der Veranstalter die Nerven. „Licht aus! Bitte Licht aus!“ sagte er ins Mikro. Die Beleuchtung wurde abgeschaltet. Jetzt gab es kein Halten mehr! Alles mögliche flog auf die Bühne. Überall krachte und splitterte es. Brände flackerten auf. Mit den harten Absätzen der spitzen Lederboots, die damals gerade Mode waren, wurden systematisch ganze Sitzreihen der ansonsten sehr stabilen Sperrholzsitze zerstört. Alles schrie, brüllte, johlte, war außer sich! Das Toben ging auf dem Rückweg in der S-Bahn weiter. Im Rhythmus von „Satisfaction“ wurden die Waggons zerlegt, das Mobiliar aus dem Fenster geschmissen! Wiederholt wurde die Notbremse gezogen.
Danach gab es hier 2 Jahre lang kein Beatkonzert mehr! (Update 11.12.17, Facebook-User Adrian Schacker, mit Dank)

 

Ja, weiterführende Gespräche wie diese mit Gerhard Lawrentz sind denkbar. Aus der Traum vom Generationenproblem. Aus Geschichte lernen und Zusammenhänge, Entwicklungen und Strömungen besser verstehen, auch Tendenzen. Die Berliner Waldbühne und ihre Phasen als Spielort. Probleme mit der Livemusik. Alles wird gestreift. Hat uns Spaß gemacht. Danke, Gerhard Lawrentz, für den interessanten Flug durch „1000 Jahre Stadtgeschichte“, wobei: Bisschen übertrieben das!

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