578/11: Mehr Demokratie wagen: Eine appfreie Zukunft, von Ehebetten & Shevetten! #TommyWorld-App

[iframe_youtube video=“E32uEjtoLsc“]
Spliff – Jerusalem- live (via youtube)

Wie sollen wir nur den Kampf gegen den Alltag schließlich gewinnen? Denn da sitzen die Tyrannen fett auf dem Thron und träumen von Rom! Es gibt Tage, wo die Sonne marschiert, doch ich hab meinen Kopf, und Deiner, der ist leer… #Spliff-App

Heute Morgen schaue ich wie jeden Morgen in meinen Kulturspiegel. Ich kontrolliere den Sitz meiner blackbirdianischen Afrofrisur. Sitzt. 3-Wetter-Taft benütze ich nur selten, allenfalls wenn ich, wie häufig morgens in Jerusalem aus dem Jet steige und die Sonne „so dröhnt und föhnt“, während ich schon verrückt stöhn! Niemand frisst mir ungestraft den Kühlschrank leer. Denn wir reiten nach Jerusalem mit Dalia-leia-lia ho, nicht mit Daliah Lavi! Denn es wäre ihre Art, Liebe zu zeigen, schweigen. Oder so ähnlich, lautmalerisch „Spliff“.

In der Nacht hat mir jemand via facebook eine Anfrage in Monster World geschickt. Das glaub ich sofort. Kenne ich das? Ich bearbeite die Spielanfrage. In der Spielbeschreibung heißt es: Ich kann „mit meinen Freunden spielen und in virtuellen Welten dubben“ und was weiß ich. Spliff. In meinem Kopf dröhnt es laut und deutlich: „Keine Zeit, keine Zeit!“

[iframe_youtube video=“MxvDnfDu-10″]
The Shevettes & Dirk Zöllner: Nie mehr! – Live ! (via youtube)

Das Wasser schlägt mir ins Gesicht, doch diese Schläge spür ich nicht,“ singt Ilka Posin von The Shevettes im Rickenbackers, Berlin-Steglitz

Mein Kulturspiegel zeigt mir morgens den Zustand meines Gesichts und abends die kalte Schulter: ehrlich, offen und ungeschönt. Ich bin wieder einen Tag älter geworden.

Gestern Abend war ich im Proberaum. Wie jeder brave Rockmusiker mit „Feuer im Herzen“ und einem Ehering am Finger ordne ich meine Tagesabläufe gutbürgerlich. Und ich habe für meine Musik zu wenig, ich habe „Keine Zeit!“ und wie um es nicht gleich wieder zu vergessen, wiederhole ich es nochmal: „Keine Zeit!“ – Kinder, Küche, Familien-Kommunismus zehren an mir und sind zu meiner Alltagsapp geworden. Gestern Abend erinnerte ich ein Willy-Brandt-Wort, er sagte: „Wir wollen mehr Demokratie wagen!“

Die Spieleanfrage zu Monster World via facebook muss ich noch beantworten. Ich entscheide mich dagegen. Für Monster World habe ich „Keine Zeit!“ und wie um es nicht gleich wieder zu vergessen, wiederhole ich nochmal „Keine Zeit!“

Was ist mein Leben als „Kulturatta-Che Guarana“ im Vergleich zu Monster World? Ich mag das „Apps anbieten“ auf facebook nicht, es stört mich: Keine Zeit für so´nen Nippes, küsse lieber schöne Lippes. Like A Rolling Stone! Ich selbst verwende dort nur mein eigenes, selbst programmiertes App „Tommy World“. „It´s a Tommys World“ und ganz egal, ob untalentierte Biedermänner mir dafür mein Auto abfackeln oder ob stilllose, also zu laute Gitarrista-Companeros am spießbürgerlichsten Südrand von Berlin, den man sich vorzustellen weiß, wie Gewitterziegen auf mich einhageln: Ich spiele Tommys World. Üb´ lieber Gitarre, Companero, oder kannst du das auch nicht? Ich will mehr Demokratie wagen, nicht weniger.

Die Programmcode-Zeilen meiner App sind „übrigens ergebnisoffen“, also „open source“, einsehbar: der Quellcode wird Zeile für Zeile veröffentlicht. Im Unterschied zu Monster World liegt Tommy Worlds Programmcode auf, nicht hinter den Statusmeldungen meiner Postings. Auch auf blackbirds.tv liegt der Programmcode nicht im Verborgenen, er ist offensichtlich. Mutig, entschlossen und Biedermännern und Companeros oft ein Dorn im Auge trete ich für „Tommy World“, mein ureigenstes App, ein, unter Windows, Mac und Linux, ich bin androgyn wie ´nen Pinguin, der die Berliner Musikszene beschwimmt. Mein App ist gemeinfrei und der Zugriff auf mich erfolgt vollkommen ungeschützt, wer mich addet, bekommt mich ganz und gar. Ihr Spießbürger der Welt: Keine Zeit? Dann spielt doch Monster World! Oder schaut GNTM.

Frühere Zuschrift an uns: Schreibt poetisch pathetisch philosophisch und komisch. Erschreckt mich, versteckt sich! #Ungenannt, über Tommy Tulip

Gestern Abend im Proberaum hatte ich bei facebook nachgeschaut, mit meiner facebook-App. Ob es neues gibt? Da war diese Spieleanfrage noch nicht da. Echt schade, dass es Spliff nicht mehr gibt, das war so unartig sexy und konterrevolutionär, das hatte Schmiß. In meinen Erinnerungen ist der Mitteregger-Herwig immer noch langhaarig und ludert irgendwo in Spanien herum, dabei wohnt er jetzt kurzhaarig in Hamburg und ich verehre ihn, sein Schlagzeugspiel und eine Art, Songs zu entwerfen, immer noch. Das wird sich wohl nie mehr ändern. Das hast du nun davon! Reinhold Heil sitzt irgendwo in Los Angeles und macht glorreiche Filmmusiken, solche mit Mehrwert. Sowas wie „Lola rennt“, Alf Klimek ist auch dabei. Sogar Tom Tykwer schreibt mit, auch epische Filmmusiken wie die zu „Das Parfüm“. Manne Praeker ist in Portugal, langhaarig noch, er sagte so rundheraus ehrlich: „Was sollten wir nur machen, so eine Sängerin wie Nina würden wir doch nie wieder bekommen.“ Ja, das stimmt.

Der Lauf der Zeit hat alle in verschiedene Himmelsrichtungen davonlaufen lassen und manchmal noch kehren sie wieder zurück: mit Musik. Gitarrist Potsch blieb hier in Berlin und auch, wenn er fulminant Gitarre spielen kann, hört man definitiv viel zu wenig von ihm.

The Shevettes-Kostbarkeit "Seize You" mit Autogrammen

The Shevettes-Kostbarkeit "Seize You" mit Autogrammen

Mit meiner facebook-App auf dem iPhone kontrolliere ich, was anliegt. In irgendeinem facebook-Pinnwanddialog wegen irgendeines unbeschreiblichen Themas lasse ich mich hinreißen, etwas über „The Shevettes“, eine Berliner Band von vier Frauen, zu sagen. Ich besitze ihren Silberling namens „Seize You“, seit „The Shevettes“ Anfang November 2010 seine Veröffentlichung im Yorckschlösschen feierten. Der Guardian of the Groove war auch da, wir berichteten.

Ich hatte mal wieder „Keine Zeit!“, denke ich gerade, und wie, um es nicht gleich wieder zu vergessen, wiederhole ich es nochmal: „Keine Zeit!“ Dabei ist die CD grandios, gut gemacht, sie atmet irgendwie ätherisch gute Musik, sie ist bescheiden, um die Musik herumgespielt „auf den Punkt“, unprätentiös und ich? „Keine Zeit!“ Ach, seufz.

Was ich gestern Abend in meinem Proberaum in meine facebook-iPhone-App reinschreiben wollte, das war ein ganz einfacher Satz: „Ich mag auch das Projekt Shevettes„. Wenn ihr ein Smartphone habt, probiert doch zum Spaß mal aus, was das Smartphone damit macht. Steve Jobs jedenfalls ist ein Familienmensch, politisch sauber, correct american way of life. Er hat seine Programmierer -Abteilung Deutsche Grundsatzfragen- mit einer Korrekturhilfe beauftragt, die immer wenn es brenzlig wird, Stilalternativen anbietet. Vermutlich wird so bei „Ich will Sex“ hypertext-linguistisch mäandert zu „Ich will Sekt!“ und bei „Ich würde jetzt gern poppen!“ kann ich mir ein „Ich höre jetzt gern Popmusik!“ als geeigneten Ersatz vorstellen.- So muss man sich das vorstellen. Vollkorrekt! Jeder weiß: Nur Nieten lassen sich was verbieten!

[iframe_youtube video=“Bu2Y2045ut4″]
The Shevettes: Zur Zeit (via youtube)

Doch zur Zeit wär ich gern jemand anders! Gern jemand anders zur Zeit! (aus CD „Seize You“, Stück „Zur Zeit“

Als ich mein ungestümes Bekenntnis zur Berliner Band „Shevettes“ verfassen mochte, ahnte ich noch nicht, was mein iPhone daraus entwickeln würde, es ersetzte die „Shevettes“ und formte mein Statement von „Ich mag das Projekt Shevettes“ um zu „Ich mag das Projekt Ehebetten!

Womit ich wieder ganz am Anfang dieser kurzen Geschichte angelangt bin.

Wir wollen jetzt mehr Demokratie wagen. Die CD „Seize You“ werde ich wieder auf meinem iPhone installieren, das ist künftig meine „Ehebetten-App“. Sie erinnert mich beim Hören der Musik der Shevettes daran, dass ich verheiratet bin und dass wir alle jetzt mehr Demokratie wagen werden!

Aber wenn ich mal groß bin, dann möchte ich auch so eine CD mit Orginal-Autogrammen von „The Shevettes“, dann komme ich raus aus meinem persönlichen Ehebett und hole es mir persönlich ab: die Widmung „für Tommy“. Bis dahin höre ich mir „Seize You“ beim Fitness an, auf dem Laufband: „Tommy rennt“. Da wäre die Musik von „Lola rennt“ mir persönlich einen „Tykwer“ zu schnell.

Ein Gedanke zu „578/11: Mehr Demokratie wagen: Eine appfreie Zukunft, von Ehebetten & Shevetten! #TommyWorld-App

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.