Ron Spielman (© Ron Spielman, mit Genehmigung)

1119/14: Proberaum: Wir haben Besucher auf der Bandprobe. Die müssen jetzt immer mitarbeiten.

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Immer wenn Besuch im Proberaum ist, erfolgt die umgehende Einbindung der Besucher in den kreativen Prozess. Die Besucher werden verdonnert, Kameramann zu spielen. Das ansonsten starr aufgestellte „Gerrrääätt“, eine Videokamera, die die Bandproben aufzeichnet, wird „extrem mobil“. Der Besucherkameramann (oder die -frau) läuft zwischen den Musikern hin und her, schwingt sein Fähnchen Fieselschweif, die Kamera. Auf diese Art und Weise entstehen die ersten wirklich bewegenden Bilder der jungfräulich unerfahrenen, neuen Band. Es sind bessere Videos, dank unserer Besucher.

Es geht um Bandsoziologie. Die regelmäßigen Bandproben werden seit dem es technisches Gerät gibt dafür mitgefilmt. Nicht komplett. Aber ansatzweise. Die neuen Musikstücke werden geprobt und wenn sie erst einmal einigermaßen sitzen, verfilmt. Viele kleine Helfershelfer gibt es inzwischen, von Sony, von ZOOM oder auch von GoPro.

Das ist trendy. Was früher der Cassettenrecorder war (hier ca. 1986 wir), der hinter das Mischpult totalverkabelt wurde, ist heute ein kleines Videoaufzeichnungsgerät, wie z.B. das Zoom Q4, für Musiker „der Gerrräätt“. Ja. -Alle 10 Jahre erfolgen aufwändige Datensicherungen, es gilt, die Vermächtnisse seines Lebens umzusichern auf die nächste technische Generation Musikabspielgerät. Hehe.

Kommissar & VideoPaparazzo Tommy Tulip (© kaupertmedia)

Kommissar & VideoPaparazzo Tommy Tulip (© kaupertmedia)

Neulich war nach längerer Zeit Helmut wieder in der Stadt. Früher mein Gitarrist, so ca. 1988 bis 1990, lebt Helmut heute wieder in der Nähe der holländischen Grenze, ist nach wie vor ein (begnadeter) Gitarrist und hat eine deutsch-holländische Bluesband namens Harp Mitch & The Bluescasters am Start.

Helmut ist aktiv im „kleinen Grenzverkehr“. In Holland sind die Auftrittsbedingungen für Livemusiker besser, sagt er. Dort gehört es mehr zur gesellschaftlichen Kultur als in Deutschland. Die Bluesszene ist aktiver.


Harp Mitch & The Bluescasters Studio 2010

Live Recording Januar 2010 Studio Alte Weberei Nordhorn

Dann war Jörg da. Jörg war früher mein Keyboarder, so 1988 bis 1990 und danach immer mal wieder, wir haben auch in Studiozusammenhängen Dinge zusammen gemacht. Heute lebt Jörg in Frankfurt/Main. Noch heute hat Jörg ein gut ausgestattetes Heimstudio zuhause. Wesentlicher Berater dabei ist Daniel aus Berlin. Daniel stattet auch Rammstein und andere professionelle Kunden mit Know How und digitalem Profiequipment aus, bzw. sorgt dafür, dass deren d-ax nicht zusammenbricht. Oder auch Jörg, und das schon seit langem.


Probe am 24.10.14 – Eröffnungsimprovisation, Anfang, mit Gabi

Das Video zeigt eine typische Mitschnittsituation im Proberaum während eines „warm ups“, einem improvisierten Zusammenspiel, um erst einmal warm zu werden. Zu Gast der argentinische Musiker Gabriel „Gabi“ Safron als Bassist. Die Aufnahme ist eine feste Stativaufnahme ohne veränderliche Kamerapositionen.

Gestern Abend hat David (g) seinen Freund und Studiokollegen Michail aus der Ukraine mitgebracht. Michail und David studieren die Tonmeisterei auf einer Musikschule im Stile der SAE, nur heißt sie anders.

Helmut, Jörg und Michail haben eins gemeinsam. Sie interessieren sich für die Musik, die wir machen. Als „offizielle, geduldete Zuhörer und Zuschauer“ unserer Bandproben sind sie gern gesehene Gäste. Das Wesen der Probe verändert sich dadurch nicht, wir sind (hoffentlich) gut bei der Sache, arbeiten ohne besondere Lust, etwas exponentiell herzuzeigen an unseren Sachen und geben so einen zutreffenden Eindruck davon, wo wir gerade stehen, welche Stücke wir proben und ob unser Zusammenspiel harmoniert. Helmut, Jörg und Michail bekommen so Informationen über unsere Bandsoziologie: An welchen Punkten wir feilen, worüber wir streiten und ob unsere Streitkultur funktioniert oder nicht? Ist im Raum „dicke Luft“? Liegen unausgesprochene Konflikt wie Schlagsahne auf dem warmen Proberaumkuchen?

Ron Spielman, Benny Greb - Quasimodo (2007)

Ron Spielman, Benny Greb – Quasimodo (2007)

Ich mag mein Ding, egal was die anderen sagen… (geflügeltes Wort von Udo Lindenberg, leicht angepasst)

In unserer Probestruktur ist es Usus, die Proben videotisch aufzuzeichnen. Neulich sprach ich über diesen Aspekt zu arbeiten mit Ron Spielman, der seit Anfang des Jahres 2014 ein neues „Power Trio“, das Ron Spielman Trio, aufstellt. Über das Gespräch werde ich in Kürze mehr berichten. Ron sagt, nachdem er angefangen habe, die mehrstündigen Proberaumsessions des Trios aufzuzeichnen, habe er seit dem auf diese spielerische Art und Weise der Vorgehensweise zwanzig Songs mit den beiden Mitmusikern entwickelt. „Ich höre mir das sessionartige Material durch“, sagt Ron Spielman, „und extrahiere die gutgelungenen Ideen, halte sie fest und bringe sie im nächsten Termin erneut aufs Trapez.“ – Es ist ganz anders, als beispielsweise mit dem Kopf fertige Songstrukturen auf Papier zu entwerfen, genaue Anweisungen an die Mitmusiker zu verteilen und anzuordnen, was gespielt werden darf und was nicht.

Ron Spielman (© Ron Spielman, mit Genehmigung)

Ron Spielman (© Ron Spielman, mit Genehmigung)

Es ist der natürliche Workflow des Lebens, in diesem Fall dreier starker, musikalischer Persönlichkeiten, die jeder für sich und alle gemeinsam Songs gebären, die so wie sie klingen, ein Gruppen-Sozialprodukt sind. Es ist die Liebe und die Wertschätzung von Musikern mit- und füreinander. Das können wir unterschreiben.

Merke: Wer sich als Besucher in Bandproben einschreibt, darf keine zuvorkommende Behandlung erwarten, sondern muss mitarbeiten. Weil´s der Qualitätssteigerung dient…hoffentlich.

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