1886/19 #Fotocast Zu Besuch bei Michael Fuss auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee

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The Future is Black - http://blackbirds.tv - Zur Musikszene im weltweiten Berliner Speckgürtel #TheFutureIsBlack #BackToBlack #LaidBack #LaidBlack #TTT #Tulipstagram

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Am Mittwoch, den 04.12. um 20 Uhr gibt es Livemusik mit einem Sonderprogramm Tom Waits á la Carte im Art Stalker, hier findest Du die Infos dazu.

Zu Besuch bei Michael Fuss (1941-2007) auf dem größten Jüdischen Friedhof Berlins, der eine fußläufig bei kaltem Wetter schwierig zu erkundende Gesamtfläche von der Größe mehrerer Fußballfelder hat, haben wir die letzte Ruhestätte von Michael im Fokus. Wir finden sie nach längerem Durchstreifen da hinten in den Arealen. Hier liegen Juden, Grabstelle an Grabstelle. Es wird nicht mein letzter Besuch hier sein, nehme ich mir vor, aber wenn ich wieder hierhin zurückkehre, muss es warm sein. Die Sonne soll scheinen und mich zum Verweilen und zum Lesen gebieten, damit ich all die hier erfahrbaren Kurzlebensläufe so in der Art „geboren – gestorben – das war`s“ nochmal nachlesen kann.

Ich habe hier intensiv über die Unterschiedlichkeit eines Jüdischen Friedhofs nachgedacht und wenig davon herausgearbeitet. Ich meine nicht die Zeremonien und Gebräuche, sondern die Gräberfelder, wie sie hier brach liegen und kaum Schmuck tragen. Ein paar Steine sind erinnerungshalber auf den Grabsteinen. Häufig ist der Davidstern hier. Viele tragen seltsame, aber ähnlich klingende Namen. Cohen, zum Beispiel, wie Schmidt, Meier, Müller, Schulz. Eine Frau heißt „geborene Alterthum“. Das lässt mich in Ehrfurcht erstarren, nicht von der Eiseskälte.


One Day Baby We’ll Be Old – Asaf Avidan

No more tears, my heart is dry
I don’t laugh and I don’t cry
I don’t think about you all the time
But when I do I wonder why

You have to go out of my door
And leave just like you did before
I know I said that I was sure
But rich men can’t imagine poor.

One day baby, we’ll be old
Oh baby, we’ll be old
And think of all the stories that we could have told

Little me and little you
Kept doing all the things they do
They never really think it through
Like I can never think you’re true

Here I go again the blame
The guilt, the pain, the hurt, the shame
The founding fathers of our plane
That’s stuck in heavy clouds of rain.

One day baby, we’ll be old
Oh baby, we’ll be old
And think of all the stories that we could have told.

(Lyrics: Reckoning Song – Asaf Avidan)

Ich bin hier heute mit Stefan, dessen Freund Michael Fuss war. Wir haben alte Geschichten gehört, von Michael Fuss. Markus war mit. Wir drei und 116.000 Grabstellen jüdischer Menschen. Viele tragen als Sterbedatum die Zeit des Deutschen Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945. Während ich gestern noch dachte, wer Glück gehabt hat, starb bereits 1934 oder 1935. Doch weit gefehlt: Im Nachhinein erfahre ich nämlich, dass sich viele Juden selbst getötet haben, nachdem sie erfahren haben, wie aussichtslos die Gesamtsituation sei. Die sich selbst töteten, denen ist viel erspart geblieben, wovon viele, viele weitere Grabstellen hier ausführlich Zeugnis ablegen. Wir finden im Dreiergespräch sofort alle drei den Gedanken richtig, dass man die Schulklassen hier übers Feld und an den Wegen entlangführen müsste, um Lebenslinien nachzulaufen und die Gestorbenen zu erinnern und damit zu manifestieren, dass von deutschem Boden NIE WIEDER Fremdenhass, Rassenkunde und Separationslehre ausgehen dürften.

Im Zusammenhang mit Vogelschiss-Äußerungen eines gewissen Alexander Gauleiter lassen wir unsere Gedanken nochmal in jene zwölf Jahre Deutschland schweifen, in denen das Verbrechen perfektioniert wurde, mit allergrößter deutscher Gründlichkeit. Maßgeblich Heinrich Himmler, ein ins Absurde verstiegener, krankhafter Mythen- und Rassismusverehrer mit Germanismusanwandlungen, trieb den von Deutschland ausgehenden Massengenozid auf eine bis dahin nie da gewesene Spitze, die sich vor allem, also größtenteils gegen die Juden richtete. Hier folgte der „treue Heinrich“ seinem Führer Adolf Hitler bedingungs- aber auch vollkommen gewissenlos nach. Nun erst können wir richtig einordnen, was der Historiker Alexander Gauleiter (richtiger Name der Redaktion bekannt) wirklich sagt, wenn er von einem Vogelschiss der deutschen Geschichte redet. Es ist ein geradezu unerträglicher Verniedlichungsversuch mir rhetorischen Mitteln. In einem Land meiner Neigungen und Lieben dürfte eine solche Relativierung nicht stattfinden, die einen Faustschlag in die Fresse aller Hinterbliebenen der Opfer jener Jahre ist. Für diese Art neue Politiker können wir uns nur entschuldigen. Nennt es Verantwortung. (Update nachträglich, 06.12.19, der Autor)

Der 2. Dezember 2019 war ein besonderer Tag der Andacht und Mediation im Geiste und zum Gedenken an die Großartigkeit verstorbener Menschen von früher. Die Fotos tragen das heutige Datum meiner Bearbeitung derselben, denn mir war wichtig, dass die Fotos die Stimmung ungefähr, also angemessen, wiedergeben. Ich geh da noch mal hin und rate meinen virtuellen Freunden, derartiges – den Besuch der deutschen Toten jüdischen Glaubens in Berlin-Weißensee – unbedingt in Erwägung zu ziehen.

Es ist auch eine Sache des Respekts den Opfern gegenüber.

Weiterführend
* Erinnerungen: Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, ….
* Gruß für Fuss: Was ich noch zu sagen hatte….

(Diesen Beitrag widme ich den Juden der Welt und rufe ihnen zu: Nein, wir werden nie vergessen, was wir Euch angetan haben. Wir werden das Zepter der Nation Mensch undividierbar hochhalten und welchem Gott auch immer zum Wohlgefallen gemeinsam miteinander für Liebe, Verständnis und echte Gemeinsamkeit beten. Shalömchen von Herzen!)

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