482/11: Interview: Sven Regener sagt, Kunst sei nicht verhandelbar #Linktipp

Es gibt diejenigen, die etwas schaffen und man mag darüber streiten, mit welchem Wert. Und es gibt diejenigen, die das goutieren, aber das mit ganz unterschiedlicher Intensität. Einige davon wollen immer mitreden, ohne selbst je vergleichbares geschaffen zu haben. Die weist ein Herr Regener gern in ihre Schranken, zu recht, wie der Berichterstatter meint!

Neulich lief mir irgendwo, ich erinnere nicht mehr wo, ein Video-Interview mit Sven Regener (Sänger Element of Crime) über den Weg und ich dachte, ja, der Mann hat Recht. Worum ging´s? Im Prinzip darum: „Wenn dir einer sagt, also die Musik, diese Platte, die du da gemacht hast, da mach doch mal das und das anders“, den ignoriere er. Damit könne er nichts anfangen. Denn er habe doch die Platte im besten Wissen selbst so gemacht, wie sie nun mal sei. Genau, des Künstlers Pläsir ist gleichzeitig auch seine Domäne, und damit möglicherweise nicht die Idealbaustelle eines mutmaßlichen Zuhörers, der ganz andere Vorstellungen hat. Und noch etwas begeisterte mich in seiner grundsätzlichen Klarheit.

Regener stellte mathematisch einleuchte Beweise zur Debatte, indem er eine ganz einfache Milchmädchenrechnung präsentierte über „gesellschaftlich-künstlerische Relevanz“. Es sei doch ganz absurd anzunehmen, so Regener, man sei als Künstler jemals gesellschaftlich-künstlerisch relevant, nur weil man ein paar Silberlinge verkaufe und eine Anzahl von Zuschauern zu Konzerten herbeieile.

Wer in Deutschland 5% bevölkerungsweit Scheiben verkaufen wolle, müsse 4,3 Mio. CDs verkaufen. Eine geradezu utopische Zahl, die in Deutschland schon seit Jahren nicht mehr verkauft wurde. Hast du 2% der Bevölkerung erreicht, sind es noch 1,72 Mio. Scheiben. Auch diese Zahl erreicht so gut wie niemand. Diese Zeiten sind komplett vorbei.

Das wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Frage, wer nun wirklich als relevant im Pop-/Rock-/Musikbusiness anzusehen sei.

Man muss wirklich festhalten, dass diese ganz einfach gestrickten Gedanken im Grunde einfach nur zutreffen und dass sich diejenigen derartige Elementarteilchen eines groben Weltverständnisses vor Augen halten sollten, die sich für Stars und Sternchen halten und ihren Beitrag zur Weltkulturrevolution für relevant halten. Ein Grund, mehr Bescheidenheit an den Tag zu legen und letztlich auch nicht ohne Fatalismus.

Johnny Häusler von spreeblick hat kürzlich Sven Regener getroffen und mit ihm über die Verhandelbarkeit der Kunst reüssiert. Das ist interessant, und deshalb verlinken wir den Artikel. In der Hoffnung, dass wir damit ein Stück weit näher gekommen sind zum Themenschluss „Berliner Musikszene“, denn dass da Regener und Element of Crime aus den verschiedensten Gründen hineingehören, ins Berichts- und Beuteschema ausschweifender Berichterstattung, liegt auf der Hand.

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