


Er, eine ältere Generation, die noch ganz anderes erlebt hat. Ich, ein Nachgewachsener. Einiges, nicht weniges an Wachstum kann ich ihm verdanken, sein Kontakt mit mir war einer, der mir half, weiter zu wachsen, selbst wenn meine Eltern mich schon lange als ausgewachsen bezeichneten. Ich verbat mir bereits seit längerem Fragen nach meinem Wachstum von ihnen. Wachstum durch mehr Haltung und mehr innere Größe und Gelassenheit, vom bürgerlichen Mief und spießerhaften Kleingeist befreit. Großzügig zu bleiben und, wo einem das fehlt, es zu erlernen.
Karl Johannes Schindler hat mir manchmal den von mir hochgeschätzten Gastautor gegeben. U.a. hier auf dieser Website. Nun ist er tot: Krebs. Gott bewahre.
Ein Raubein, ein Charakter, ein Sturkopf, ein absolutes Original: Ein ganz unverwechselbarer Mensch.
Er liebte die Frauen und die Frauen liebten ihn. Er liebte seine Tochter Saskia über alles und sie liebt ihn. Gottgleiche, tiefe, innige Verbindung.
Viele lieben ihn, manche mochten ihn nicht. Er wies Menschen auch zurecht und intervenierte, gab ihnen Schranken sich zu benehmen, aber nie unbegründet, launisch oder cholerisch. Zu stark, der Typ, zu sehr Ecken und Kanten. Oder vielleicht gerade deswegen: Coole Sau. Meinerseits tiefster Respekt vor einem Mann, der ein menschlicher Gigant war. Liebenswürdig, aufmerksamster Zuhörer, Schalk im Nacken, nachdenklich, wenn es sein musste nachbohrend und hart recherchierend, aber dann klar im Urteil, in der Bewertung und äußerst lesenswert. Witzig, eloquent. Dranbleibend. Nachvollziehbare Gedankenkette. Er hatte seine, eine Herkunft.

und machen wir uns nichts vor, so beginnt eigentlich fast jedes Berliner Märchen, ein Jazzmusiker namens Roger Radatz, der sich selbst gern Bootsie nennt, aber das ist eine andere Geschichte. Ein gewohnt routinierter Interviewer namens Karl Johannes Schindler nahm Herrn Radatz gesprächsweise in die Zange und das Ergebnis bilden wir hier ab. Denn es ist ein Gerücht, das in der Berliner Musikszene aufhört zu leben, wer die 30 überschritten habe. Besonders viel, lebenslange Erfahrung, davon kann Roger Radatz u.a. ein Lied singen, und sogar rhythmisch dazu zucken mit, sagen wir: Extremitäten! Über verschiedene Trommeln verteilt. Ein Interview mit einem Berliner Szene-Urgestein!