1334/16: Filmkritik: Bring Your daughter to the slaughter – The rise & the fall of Amy Winehouse #Kritik

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Süße, es ist bald Mitternacht
Und alle Mythen sind in der Stadt
Wahre Liebe und Lippenstift auf deinen Leinen
Ins Kissen zu beißen macht kein Geräusch
Falls dort irgend ein Leben zu erledigen ist
Bevor dein Leben dein Grab wird
Solltest du besser wissen, dass ich der eine bin
Also sperr deine Hintertür auf, lade mich ein
Darum nimm deinen närrischen Stolz, kein Rückweg
nirgendwo, kein Weg, kein Platz zum Verstecken
Bring deine Tochter, bring deine Tochter
zum Schlächter…lass sie gehen, lass sie gehen, lass sie gehen.
(Sinngem. Übersetzung eines Iron Maiden Songs)

Amy, kleines Mädchen, liebt ihren Papa über alles. Und seine Jazzplattensammlung. Große Idole, Sinatra, Fitzerald und Tony Bennett, beispielsweise. Kleines Mädchen liebt den Jazz und singt ihn auch. Begnadet, besonders, spröde, brüchig. Eine eigene innere Stimme, eine ganz besondere mit Wiederkennungswert.

Ihre Freundinnen bewundern sie. Sie bilden ein festes Band um sie, sie aber tritt immer mehr auf. Sie wird vom kleinen scheuen Mädchen zur Göre, gut im Futter, zieht sie schon bald durch die Lande.

Das erste Album liegt noch irgendwie bleiern in den Regalen, bald sind 800 Stück verkauft. Aber irgendwann später macht es Puff paff und Amy steigt auf zum Weltsuperstar Nummer 1, zur Sängerin schlechthin. Back To Black ist ein must have der Weltkultur und alle wollen sie sehen.


Amy Winehouse – Tears Dry On Their Own

Sie aber ist vom Erfolg schon sehr genervt, sie findet ihr Dasein furchtbar und mittlerweile ohne Drogen äußerst langweilig. Ihre männlichen Freunde lassen sie emotional verhungern, sie sind selbst drogenabhängig, krank und selbstsüchtig. Die Branche, die wie keine zweite ihre Opfer sucht und zuverlässig findet.

Sie bekommt Abstand von allem, weil ihr Liebster ins Gefängnis muss und sie auf eine kleine Karibikinsel flüchten kann. Doch Papa ist geschäftstüchtig und stört die Wiederauffindung seelischer Ruhe mit einem vielköpfigen Kamera- und Audioteam und filmt ihre Versuche, wieder auf die Beine zu kommen. Sie fragt ihn: „Warum?“, aber er ist immer nur geschäftstüchtig.

Papa war eigentlich immer so. Als Papa war er nicht da und nicht erreichbar, sie hat immer den Halt gesucht, der ein ordnendes Wort von Zuwendung mit sich bringt, wenn Väter auch mal Grenzen setzen, nein sagen, das darfst Du nicht, Amy. Amy hat immer machen können, was sie wollte. Sie blieb zeitlebens unbeaufsichtigt, ohne Grenzen und hat Grenzen durchstoßen. Nun singt sie in Abbey Road mit dem Idol ihrer Kindheit Tony Bennett.

Es ist ein weitgehend unkommentiert bleibender Film mit Stimmen aus dem Off. Freunde, Musiker, Produzenten, alle kommen zu Wort und zeichnen ein zartes, überwiegend schwarz weißes Bild mit Höhepunkten in Farbe, wie Grammyverleihungen. Die fragile, kleine Amy, wie sie da steht mit hoch aufgetürmtem Haarkleid, die Augen ungläubig aufgerissen, weil die ganze Welt ihr huldigt und sie kann es eigentlich die ganze Zeit über gar nicht fassen, so wie es in dem Subtext zum mittlerweile oscarprämierten Film „Amy“ heißt: „Ich bin kein Mädchen, das ein Star sein will. Ich bin ganz einfach ein Mädchen, das singt.“

Am Ende des Films ist man bei aufrichtiger Gemüts- und Seelenlage zutiefst betroffen, getroffen, aber auch spirituell berührt. Ein paar Male haben sich die Tränen des Mitgefühls immer wieder Bahnen gesucht und man denkt: Tears dry on their own. Ihr zu Ehren das Lied des Tages.

Wahnsinnig toller Film. Unbedingt ansehen.

Glaube, Liebe, Hoffnung, hier findest du meine weiteren Artikel zur besten Sängerin des 21. Jahrhunderts Amy Winehouse, die Homepage des Films lautet… Wir sind es ja als kritische Denker und Dichter gewöhnt, uns eine zweite Meinung einzuholen, bitte schön: Die Blindgängerin hat eine lesenswerte Rezension über den Film geschrieben…

 

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