1920/20 #Positionen – Saxophon Joe Kučera lässt die Zeit Revue passieren – Erinnerungen an das Glück aller Zeiten

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Joe Kucera (© Gudrun Arndt, 2010)

Joe Kucera (© Gudrun Arndt, 2010)


Joe Kučera – Ethnic Picnic (Instrumental) [Offizielles Video]

Joe Kučera (Saxophon) und Carlos Mieres (Gitarre) mit der tschechischen Schauspielerin Petra Bučková.
Aufgenommen in Speiches Rock & Blueskneipe, Berlin
Label: Q-era / Bluebird Cafe Berlin Records
Idee & Regie: Nataša von Kopp

(Gastbeitrag von Joe Kučera)

Ich habe nie gedacht, dass ich in meinem Lebenslauf noch so etwas wie „Das Leben (und hoffentlich nicht sterben)“ in einer Corona-Pandemie aufschreiben müsste.

Die Welt ist irgendwie unheimlich geworden. Statt nur ab und zu einen Alptraum zu haben, aus dem man dann aufwacht und ihn beim Frühstück erzählen kann, wacht man auf und liest, hört und sieht in allen Zeitungen, Radios und TV nur Horror Nachrichten. Welche Assoziation auch immer es war, heute ist mir plötzlich eingefallen, in wie vielen lebensgefährlichen Situationen ich schon irgendwann war. Und es ist, gerade in dieser heutigen, bedrohlichen Lage, interessant, sich an einige Situationen noch einmal zu erinnern. Die Liste ist bestimmt nicht vollständig.

Im Jahr 1943 bin ich, während des Krieges, in Prag geboren – es gab Bomben – es hätte auch unser Haus treffen können.


Joe Kučera – 1000 Gründe (1986)

1000 GRÜNDE
Saxophone Joe & Friends ‎
Balance
Music Vision ‎– 103 B
Germany
1986

Dann gab es alles Mögliche, Berg erklettern ohne Erfahrung, schnelles Fahrrad fahren – nachts im Wald ohne Helm… und alles Mögliche, wie alle Jugendlichen es machen. Übrigens hat jemand von euch schon in todmüdem Zustand ein Fahrrad gefahren? Ich ja, und bin im Wassergraben wieder aufgewacht.

Z. B. 1968. Die Idee, die ich auf der kroatischen Insel Solta hatte, cirka 2 Km zu einer sehr kleinen Insel zu schwimmen, war nicht gut durchdacht, der Strom hat mich immer wieder vom Ziel weg getragen. Irgendwie habe ich es nach Stunden doch geschafft. Ja, und dann aber später wieder mit Angst zurück. Sehr einsam war es. Bis jetzt habe ich es kaum Jemandem erzählt. Es hätte damals alles schief gehen können.

In 1969 illegal nachts über die Jugoslawisch – Österreichische Grenze. Angeblich nicht lebensgefährlich, aber man kann ja auch Pech haben, wenn man es provoziert. Ich habe nämlich Baritonsax und Sopransax – ohne Koffer- mit geschleppt … und wenn ein Grenzpolizist zu viele Angst-Fantasien gehabt hätte und aus eigener Wahrnehmung falsch reagiert … möchte ich nicht weiter denken. … Wir haben es – ich war nicht allein, sondern mit Sammy Vomáčka zusammen – geschafft.

1983, als ich 40 war, habe ich mit 4 Freunden für 14 Tage ein Segelboot in Piräus gemietet. Schon die Reise dorthin, mit meinem Citroen DS Break von Berlin nach Athen war sehr abenteuerlich. Dann sind wir von Insel zu Insel gesegelt. Alles war wunderbar bis wir eines späten Nachmittags von stürmischer See überrascht wurden. Da haben wir es nicht geschafft, rechtzeitig zur nächsten Insel zu kommen und mussten in diesem wahnsinnig starken Wellengang, Sturm-Wind und Regen die ganze Nacht auf der offenen See aushalten, versuchen nicht zu nah an die Küste zu kommen. Es war wirklich eine lebensgefährliche Situation. Für uns alle! Wer dort mit mir war, darf es hier bestätigen.


L&L Pete Bender, Joe Kucera …. „Got To Get You Into My Life…“ (Original Beatles)

Seine Band bestand vorrangig aus seinem Freund Joe Kučera (Saxophon, Klarinette, Flöte), Bob Howell (Schlagzeug), Rolo Rodriguez (Schlagzeug und Percussion), Gerard Batrya und Eckhard „Ecki“ Lüdeke (Bass), Stephen Miller und Michael Gechter (Gitarre). (Wikipedia über Pete Wyoming Bender-Band) – Hier im Einspieler ist auch Andreas Hommelsheim (kb) dabei.

Ein anderes Mal gab es mit meinem Auto auf Triangel Tournee ein Schreck-Erlebnis bei Oberhausen. Leider nur ein netter Freund kann sich hier an die Situation erinnern, als wir uns mehrmals um die eigene Achse drehten, auf der mittleren Autobahnspur. Uns war der linke hintere Reifen geplatzt, aber wir haben viel Glück gehabt und sind sicher in der Standspur des Gegenverkehrs zum Stand gekommen. Bei einer anderen Verkehrs-Konstellation hätte das sehr gefährlich sein können – wäre z.B. ein LKW rechts und ein Raser links gewesen… Ich bekam von beiden Auto-Insassen ein Lob für diese ungewollte Stunt-Aktion, aber ich hatte keine Ahnung, wer in diesen Moment eigentlich am Steuer war. Ich ahne es nur, dass da jemand oben so entschieden hat. Das gilt auch für anderen o.g. Situationen.

Ja, und da gibt es auch die Krankheiten – 2002 OP mit rechtzeitig entdecktem Darmkrebs-Tumor sowie im letzten Jahr die OP von Aneurysma/Bauchaorta. Viele Menschen haben nicht so viel Glück wie ich – „rechtzeitig entdeckt“ ist die Chance, die ich hatte.

Und welche Rolle spielen Instinkt? Zufall? Oder ein Schutzengel?

Lieber Gott, (betet jetzt der Agnostiker in mir) mit allem Respekt, erlaube mir ein wenig zu lästern.

Alles habe ich bis jetzt wie ein Wunder überlebt und jetzt werde ich das Corona auch überleben und Basta.

Hilfst du mir?
Und ihr?

Nachwort:

Wenn Joe Kučera zu seinem Instrument greift, ist man erstmal ergriffen und dann greift er sich den Ton und fügt weitere hinzu. Der Ton nimmt sich den Raum und füllt ihn bis zum Bersten und wie ein Bürstenbinder. Mit Wärme, Anmut, Schönheit und Melancholie. Nur so kenne ich seit Dekaden einen der für mich besten, bemerkenswert authentischen Musiker dieser Stadt, Saxophon Joe: lebende Legende, Baujahr 1943. Zuerst fiel er mir als omnipräsenter Sideman eines weiteren Lieblingsmusiker Berlins aller Zeiten meinerseits auf: Pete Wyoming Bender † – Auf dieser Website steht sein Nachruf †

Es ist ein Menschengedenken und die Zeit macht nur vor dem Teufel halt.
Danke, Joe, für die Musik.

#TTT

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