1939/20 #Nachruf – Der Liebespirat ist gegangen – Zum Tod von Klaus Selmke (Gastbeitrag von Uwe Hassbecker, Silly)

Silly - Ich sag nicht Ja (Offizielles Promofoto ,mit freundl. Genehmigung

Silly – Ich sag nicht Ja (Offizielles Promofoto ,mit freundl. Genehmigung

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(Von Uwe Hassbecker)

Ich erinnere mich an die Produktion des CITY Albums „Rauchzeichen“, 1996 – 1997 in unserem Danzmusik-Studio, welches sich damals in den Kellerräumen des Kabaretts Kartoon, in der Französischen Strasse in Berlin-Mitte befand. Es war eine der ersten Produktionen nach unserem eigenen Album „Paradies“ 1995 und nach der Zeit von Tamaras Krebserkrankung und der damit zusammenhängenden Odyssee bis zu ihrem Tod im Juli 1996.

Mit etwas Abstand, aber relativ bald, kamen damals Toni und Fritz auf uns zu, ich glaube auch um uns irgendwie wieder aufzufangen und uns aus dem tiefen Tal herauszuhelfen.

Sie fragten Ritchie und mich, ob wir ihr neues Album „Rauchzeichen“ produzieren wollen würden.

Nachdem wir zusammen entschieden, welche Songs für das Album in Frage kämen, machten wir uns ans Werk und erstellten die ersten Strukturen und Arrangements. Da sich die Stücke während der Produktion immer noch veränderten, war es notwendig, die einzelnen Instrumente nacheinander und nicht gemeinsam einzuspielen. Wir wollten es so analog wie möglich haben, also mit „echten“ Instrumenten, keine Samples und Programmierung.

Den Anfang sollte der Drummer, also Klaus Selmke, machen.

CITY im SILLY Studio, 1997 – hier: Französische Straße. (Foto: Uwe Hassbecker, Privatarchiv)

CITY im SILLY Studio, 1997 – hier: Französische Straße. (Foto: Uwe Hassbecker, Privatarchiv)

Für CITY war dieses Album das erste nach einigen Jahren der Suche und das erste wieder in Originalbesetzung. Entsprechend groß war auch die Aufregung bei Klaus. Diese Aufregung verflog schnell nach den ersten Tagen und Takes und wir fühlten uns wohl miteinander.

Klaus war irgendwie besonders euphorisch, was wohl auch damit zusammenhing, dass er gerade dabei war, seine neue Liebe zu finden – „Lu“. Direkt nebenan befand sich das gerade neu entstandene Kaufhaus „Galeries Lafayette“, mit einer hervorragenden Weinabteilung, aus der Klaus so manchen wunderbaren „Tageswein“ (so seine Wortschöpfung) mitbrachte. Mit einem guten Glas Tageswein ging es dann etwa gegen 11 Uhr mittags los und lief wie geschmiert.

Ab und zu tauchte Klaus nicht nur barfuß wie eh und je, sondern auch mit Piratenkopftuch und der Flasche Tageswein unter’m Arm auf, was dem späteren „General Klaus Selmke“ dann den temporären Spitznamen „Der Liebespirat“ einbrachte. Ich glaube Toni ist das eingefallen und es war auf jeden Fall passend.

Im Anschluss an die Produktion haben Ritchie und ich einige wunderschöne gemeinsame Konzerte mit CITY gespielt und etwas später die gemeinsame „Tour d’Amour“ absolviert. Inzwischen war die neue Liebe „Lu“ seine geliebte Frau geworden, die ihn bis zu seinem Tod begleitet hat und mit der er sehr glücklich war.

Tour d'Amour - Das Beste von CITY & SILLY, 22.11.97 im Capitol Halle (Foto: Uwe Hassbecker, Privatarchiv, mit Dank)

Tour d’Amour – Das Beste von CITY & SILLY, 22.11.97 im Capitol Halle (Foto: Uwe Hassbecker, Privatarchiv, mit Dank)

Es folgten viele Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse zum Beispiel mit und bei den Rocklegenden-Touren und bei anderen Konzerten und Events.

Bei einer Fernsehsendung vor 3 Jahren saßen wir zusammen in der Garderobe und er setzte mir seine Kopfhörer auf, um mir die Qualitäten seines neuen mobilen Kopfhörerverstärkers vorzuführen. Zu hören war der Titel „Ganz leicht“ vom CITY-Album „Rauchzeichen“, auf das er auch so viele Jahre später immer noch so sehr stolz war, wir er mir anschließend erzählte.

Irgendwann vor einigen Jahren wurde klar, dass Klaus doch ernsthaft erkrankt ist. Er selbst hat das weitgehend unter der Decke gehalten.

Bei einer unserer letzten Begegnungen und einem wunderbaren gemeinsamen Abend vor einem knappen Jahr habe ich gedacht, Mensch – der hat’s doch tatsächlich und zum Glück geschafft. Er hatte sich so gut erholt und war super drauf. Leider hat der Eindruck getäuscht. Die Rocklegenden-Tour 2020 war noch ein Ziel, was er sich gesetzt hatte, aber das sollte nicht mehr sein.

Klaus Selmke war ein ganz besonderer Mensch, mit einer schier unerschöpflichen Lebensfreude und Fantasie. Er war einer von den guten Menschen in der Szene. Wir sind sehr traurig und werden ihn nicht vergessen.

Uwe Hassbecker & Silly

Danke, Uwe.

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