Legenden: Die Rock´n Roll Laundry von Hans-Jürgen Topf in Ludwigshafen (Linktipp)

Welcher Mann hat nicht schon mal davon geträumt, Britney Spears, Pink oder Madonna an die Wäsche zu gehen? Für Hans-Jürgen Topf ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Der passionierte Musikfan betreibt in Ludwigshafen die „Rock´n´Roll Laundry“. Und wie in so vielen Fällen hat auch hier der Zufall das Schicksal mitbestimmt.“ (Zitat Wie alles begann, Firmenwebsite, hier)

Hans-Jürgen Topf kommt nicht aus Berlin, aber aus Ludwigshafen. Das kennen wir deswegen, weil ein früherer Kandisbunzler Bundeskanzler namens „Mr. Vegetable“ dort wohnt. Inzwischen trägt Hans-Jürgen Topf die Haarpracht schütterer als früher und ist in die Jahre gekommen. Eine Art Initialzündung geschah 1982, als der unerbittliche und etwas härtere Gitarrist Ted Nugent nach Deutschland kam, um hier zu touren. Nugent war mal ein wichtiger Musiker und hat heute in Deutschland etwas an Bedeutung verloren. Hans-Jürgen Topf aber offenbar nicht, da scheint es umgekehrt gewesen zu sein.

Hans-Jürgen Topf hat ein prallgefülltes Nähkästchen namens Wäschesack und plaudert jetzt „mal unter uns gesagt“ u.a. folgende wesentlichen Erkenntnisse über ein fast dreißigjähriges Dienstjubiläum als Chef der Rock´n-Roll-Laundy, einer Art „Backstage-Wäscherei“ für Rockstars, aus:

Unter uns, nach zwei Stunden auf der Bühne riechen die Socken keiner Band nach Blumenwiese im Frühling.“ (über Slipknots Fußbekleidung)

Fragt sich, wie denn? Sicher nicht nach Moschus. „We keep the Stars clean“, ist das Motto der Wäscherei.

Zur Zeit des hier beschriebenen Slipknot-Desasters (ich habe es immer gesagt!) hatte die Rock´n Roll Laundry von Hans-Jürgen Topf bereits 20 Jahre auf dem Dienstbuckel und ebenso viele Referenzen vorzuweisen. Slipknot gibt es immer noch, frisch gewaschen und gebleicht wirken die Jungs nicht und auch nicht „blümerant“. Eine gewisse Vorbildung bei der Ausgründung einer Wäscherei für Rock´n Roll-Stars wie „Paul McCartney, Herbert Grönemeyer oder die Bee Gees“ hatte Topf bereits mitgebracht. Er half seinerzeit immer mal wieder in der Wäscherei seiner Eltern als Fahrer aus. Aha! Hier fragt sich wieder, was Westerwelle (FDP) daher meint, wenn er Hartz IV-Empfänger Schnee schippen lassen will? Doch das ist eine andere Geschichte. Die Wäscherei des Herrn Rock´n Roll-Saubermanns scheint komplett auf das Bühnenequipment der Großen abgestimmt zu sein.

Das rockige Waschbuch (Buchtitel)

Das rockige Waschbuch (Buchtitel)

Der Namensgeber der Neugründung 1982 war Steven Fortney, Tourmanager von Ted Nugent. Namedropping: „Wie wäre es mit Rock´n Roll-Laundry?“ Inzwischen erschien 2008 auch das Buch „Das rockige Waschbuch“ (Untertitel „groupies, stars & dirty socks), indem Wäschefetischisten und Alt-Rock´n-Roller vermutlich komplett auf ihre übelriechenden Kosten kommen!

Waschmaschinen in Flightcases (Quelle: Homepage)

Waschmaschinen in Flightcases (Quelle: Homepage)

Die Waschmaschinen sind in Flightcase-Technik verpackt und „mit Rädern unten dran“, wie das Bild deutlich zeigt. Damit ist schon der Weg frei nach Berlin. Denn richtig gute Flightcases „mit Rädern unten dran“, Königinnen der Bühnenverpackung, baut in Berlin Olaf Maske, der Mann, der vor dem Wind wohnt, aber am Bahnhof Westend arbeitet. Ob Equalizer, Compressor/Limiter oder Exciter in Verwendung sind, damit die Wäsche praktisch knitterfrei auf die Bühne kommt, bleibt wohl Betriebsgeheimnis. Wir fühlen uns an McCauley Caulkin erinnert, der in Michael Jacksons Video Black or White einen rollbaren Gitarrenverstärker ins Wohnzimmer der nervigen Eltern schiebt, sein Kabel reinsteckt, den Powerswitch hochfährt und schließlich bedeutungsschwanger „Eat this“ sagt, bevor er den Vater nach Afrika beamt. Hat Hans-Jürgen Topf daher am Ende seinen Eltern im Biedermanns-Beruf den jugendlichen Stinkefinger zeigen wollen? Doch Schluss mit dem Versuch, schmutzige Wäsche zu waschen.

 

Was Hans-Jürgen Topf in diesem Zusammenhang noch so zu erzählen weiß, ist amüsant, hochinteressant und wird zur Lektüre daher empfohlen. Verpackt in die inzwischen sehr beliebte, etwas anachronistische Serie „einesTAGES“ der Online-Redaktion des SPIEGEL ist eine sehr spannend zu lesende Geschichte für Rockfans. Und dafür gibt es hier den Linktipp des Tages, verdient ist verdient:

Screenshot "Der Wäschetrommler" (Quelle: einesTAGES, Spiegel)

Screenshot "Der Wäschetrommler" (Quelle: einesTAGES, Spiegel)

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