1902/20 #Positionen Musik machen im unterschiedlichen Zeitpunkt eigener Lebensphasen

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#Proberaum #Symbolbild

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Buster Keaton Seven Chances (1925) Ausschnitt

Ich vermisse das Ensemblespiel – während dem Studium Normalität und sooo befruchtend für alle Beteiligten! Mittlerweile singe ich in 2,5 Chören mit wirklich hohem Niveau und genieße das gemeinsame Musizieren, das Kennenlernen neuer Stücke, immer wieder BACH … Gemeinsam in die Musik eintauchen ist Seelenfutter und überlebensnotwendig! (Bettina O., auf Facebook)

Ihr erinnert das bestimmt, wenn Ihr das Video oben seht: Ich 1925 auf dem Weg zur Bandprobe. Wie ich ankomme, ist nach einem raschen Blick auf die Uhr schnell klar: Ich bin zu spät gekommen. Wie unzuverlässig. Wir scheuten weder Kosten noch Mühe. Zeiten waren das.

Für das zusammen Musik machen, in einem bandähnlichen Zusammenhang, ist häufig eine bestimmte Lebensphase ausschlaggebend, die möglicherweise beim Jugendlichen beginnt und sich dann noch einige Jahre hinzieht. Bis andere Umstände einen Rückzug ins Private erfordern.

Der feste Partner, das erste Kind, berufliche Sachzwänge, die Miete bezahlen müssen.

Einige pausieren dann, teils jahrelang. Die Musik tritt in den Hintergrund.

Bei manchen rumort es ein paar Jahre später wieder. „Die Babypause ist vorbei,“ sagen sie und suchen im Keller nach den verstaubten Musikinstrumenten.


Anarchosender Berlin: „Jazzpointer“ – recorded live in rehearsals on 10.02.2014

Ein Prozess der ein Leben lang dauern kann. Besonders, wenn man immer wieder auf Ego Shooter und Narzisse ihres Instruments trifft . Heureka, es ist geschafft ! Die Richtigen sind gefunden 🎶 👍 (Bodo S., Schlagzeuger, Potsdam, auf Facebook)

Ein paar alte Freunde anrufen, hey, lasst es uns wieder anfangen. Habt Ihr Lust? Ja, heißt es dann von dem Einen. Nein, sagt der Andere, keine Zeit.

In der Kürze der Zeit werden neue Bands zusammengestellt. Ein Proberaum akquiriert. Die Band fängt wieder an zu spielen, loszustolpern in die musikalischen Highlands.

Erstmal paar Covers spielen, so 3-Akkorde-Stücke: Zombie, Zombie. Oder Knockin On Heavens Door. Egal: Hauptsache Musik. So kann es laufen.

Herbert P.: „Ich spiele Blasinstrumente mit Kesselmundstück (Trompete und co.) Bis auf Posaune und Tuba (kann ich zwar anspielen, liegen mir aber nicht so). Habe in einem wunderbaren Blasorchester gespielt, welches ein sehr breites Repertoire hatte. Von Bierzeltmugge bis Marschmusik bis konzertante Blasmusik. Oder im Musikschulkammerorchester. Da ist in der Region um Bad Mergentheim leider nichts interessantes dabei.“ (via Facebook) – Herbert pausiert derzeit im Bandzusammenspiel, aus den genannten Gründen

Bei mir war es so ähnlich. Im zweiten Schub hab ich auch besser gewusst, dass ich unter gar keinen Umständen auf das Musik machen mit Anderen verzichten sollte.


22.11.2018 @Yorckschlösschen Berlin Kreuzberg #related

All die Mühe hat sich am Ende gelohnt. Wir spielen im sagenhaften Yorckschlösschen in Kreuzberg, so wie Roger Radatz, die New-Orleans-Stilikone hinterm Schlagzeug, locker vom Hocker, aus den Ellenbogen geschüttelt, es groovt. Und wie. Dazu spielt Carlos Santana den Guggelhupf. Es muss grooven. Leutz? Üben, Üben, Üben. Man spielt sich nicht auf, wie Bodo oben beschreibt, man spielt auf. Und wie.

Und wozu auch? Wozu das alles.

Ich hab die Erfahrung gemacht, dass immer 1 oder 2 dabei sind, die nicht wissen wie man eine Uhr liest, die jahrelang kaputtes Equipment auf die Bühne schleppen, die keinen Bock haben zu üben oder zu proben, die selbst kleine Ersatzteile wie Ersatzsaiten nicht dabei haben, weil ist ja noch nie was passiert, die nie Zeit haben weil sie in anderen Bands auch noch spielen, die meinen, es gibt einen heiligen PA Baum, von dem alles runterfällt und einfach da ist, dass die PA Füße hat und sich von alleine von A nach B schleppt, die in Mathematik und Rechnungswesen gefehlt haben, die sich null weiter entwickeln wollen, dementsprechend Null Energie aufwenden, denen ein vereinbarter Dresscode völlig egal ist, die denken, je lauter, desto besser, die die PA Boxen nach innen drehen weil sie keinen Bock haben sich um Monitoring zu kümmern, die Kabel einfach in die Kiste werfen, der Depp dem sie gehören, der wirds schon wieder auseinandertütteln, die keine Ahnung von Physik haben aber einfach mal Knöpfchen am Mischpult drehen, im Zweifelsfall den Noch-Lauter-Regler, das hilft immer etc etc etc. – Ich habe mich neulich mit einem Profi unterhalten, der sagte mir: Junge, wenn du weiterkommen willst, wirf diese Leute raus. Nur blöd, dass man diese Leute in jeder Band in der ich bisher tätig war, mal mehr mal weniger ausgeprägt findet. (sagt Stefan G. via Facebook dazu)

Tjam säufz. Also Prost.

Raimund M. meint via Facebook:

Man kann`s aber auch übertreiben. Ich war früher recht ehrgeizig, was meine Band betrifft. Dilettantismus war mir ein Gräuel. Und so habe ich nach und nach bessere Musiker gesucht und gefunden, ja, richtige Vollprofis. Ein Bassist mit Jazzstudium, ein Schlagzeuger, der ausgetüftelte Arrangements aus dem Ärmel schüttelt und Partituren (die ich als einziger nicht lesen kann) mit links schreibt, eine Koryphäe an der Bluesharp, ein Gitarristenkollege und Violinist, der regelmäßig u.a. mit Konstantin Wecker auf Tour ist. Und dann mußte ich eines Tages feststellen, daß der einzig verbliebene Dilettant in der Band ich bin. Konsequenterweise müßte ich jetzt…nunja.

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