628/11: Personen & Porträts: Simonetta Ginelli ist nicht Berlins Hauptstadtsirene, sondern die Vanessa Mae der Harfen

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Simonetta Ginelli

Simonetta Ginelli (sagenhaft fotografiert von: Katrin Hoffmann)

Also, die Harfe ist quasi wie ein hochgeklapptes Klavier, kann man so sagen. Sie hat 47 Saiten, die verschiedenfarbig angeordnet sind, wegen der Orientierung. Das C ist rot, das F ist blau, und dann hat die Harfe, was viele nicht wissen, sieben Pedale. Damit stellt man die verschiedenen Tonhöhen ein. Ich kann auf jeder Saite drei Halbtöne spielen. – sagt Simonetta Ginelli, Hauptstadtharfe im Interview-Video

Sie sagt, sie ist sowas wie „die Vanessa Mae“ der Harfe.

Simonette Ginelli ist Berlins Hauptstadtharfe, sie hat schon mit vielen, vielen Leuten auf der Bühne gestanden, die wir kennen und teils sogar lieben. Allerdings werden wir jetzt hier kein gekonntes namedropping abhalten, nur um damit zu beweisen, dass Simonetta Ginelli großartig sein muss. Wir lassen mal der Einfachheit halber diese Frau in ihrem eigenen Fokus stehen, und da steht bzw. sitzt sie nun und ist ziemlich schön anzuschauen. Das Foto hat Katrin Hoffmann gemacht, und zwar klasse. Sollte sie das mal irgendwann lesen, erbitte ich ihren Link, um ihn hier noch nachzutragen, zum Dank. Chapeau auch dafür. Doch nun zu etwas ganz anderem: Simonetta Ginelli.

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2008: Simonetta Ginelli im Interview (via Youtube)

Google-Recherche "Simonetta Ginelli" (screenshot)

Google-Recherche "Simonetta Ginelli" (screenshot)

Feinzeichner: Sag mal, weißt du denn, was „HH“ auf den Autokennzeichen heißt? Antwort: Na, Hamburger Hafen, Papa? – Nun, so ähnlich. Also Hansestadt Hamburg. Papa, was ist eine Hansestadt? Na, eine Stadt mit Harfen! #Bildungsgespräch mit einer 8-jährigen, Harfenstadt Berlin – Und damit eins ganz klar und für immer ausgeräumt ist: Wenn man davon spricht, jemand arbeite wie eine Hafennutte, dann meint man damit keineswegs rotlichternde Gewerbe. Vielmehr bedeutet es, dass jemand ganz, ganz emsig arbeitet, viel zu viel. Und verwechselt das nie: da heißt es nämlich nie „Harfennutte“, wenn überhaupt: „Harfennote“. Die Harfe, das ist ein zu edles Instrument, ein anmutiges…, Simonetta Ginelli zelebriert die Harfennote!

Simonetta Ginelli hat nichts mit bundesdeutschen Städten zu tun, die Ludwigs-, Heiligen- oder Wilhelmsharfen heißen. Wir wissen nicht genau genug, wie das ist: Wie oder was ist die Seele einer Harfe? Ein irres Instrument. Prince, der kleine Prince, übrigens, ist ein ganz großer Bewunderer des Schweizer Harfenisten Andreas Vollenweider und ließ deswegen auf früheren Welttourneen vor Konzerten stets dessen seligmachende Musik als atmosphärischen Wegbereiter seiner Konzerte rieseln. Womit die Harfe an sich schon mal geadelt schien. Andreas V. aus der S. hatte sie in den Kanal populärer Weltenmusik hineingeschoben, damit war sie endlich ein Stück raus aus dem klassischen Kontext. Der für sich natürlich auch okay ist. Für sich. Aber auch für dich? Und uns? Harfe meets Worldmusic, meets Jazz, Funk, Soul und …warum auch nicht?

Einer früheren Untersuchung zufolge verwendeten in den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts die meisten Liebespaare Musik von Elton John zur Untermalung beim Poppen. Elton John, das war sozusagen „poppulär“. Ich kann verraten, dass die Musik von Andreas Vollenweider ein vergleichsweise unvergleichliches, in keinem Fall schlechteres Fluidum ist, also ebenso popu- wie poppulär. Die Harfe muss nach allem in die moderne Musik viel stärker einbezogen werden. Allerdings ist sie auch nicht ganz billig. Ein paar äußerst erlesene solche Teile stehen in der Charlottenburger Gardes-du-Corps-Straße im früheren Eltern-Kind und Babymodeladen, doch alle Windeln sind jetzt weg. Der Laden ist edel, hell und freundlich eingerichtet und ein Vorbeischauen bei Interesse empfiehlt sich. Der Link ist unten.

Wie oder was ist die Seele einer Harfe? 

Um nun zum besten Stück der Harfe zu kommen, der Harfenspieler, bzw. die Harfenspielerin. Er bzw. sie ist Udo Jürgens „Mann mit dem Fagott“, sinngemäß. Er bzw. sie hockt rittlings (niemals bäuchlings) hinter dem erhabenen Instrument und lungert dort entspannt herum, um sich am sanften Getöne des „fliegend leichten Glockenklangs“ zu laben. Doch nicht hart wie Holz auf Kupfer, sondern weich, wie Wattebäuschchen auf Messinggebims, in Wirklichkeit aber gezupft mit straffem Regiment in unterschiedlichsten Anschlagstärken: so stellen wir uns die Harfe als starkbesaitetes Stück „Ode an die eigene Freude“ vor.

Musiker sucht Musiker! Müsste man das „Harfenmagazin“ (Titel: Zupfgeigenhansl?) abonnieren oder gibt es eine spezielle Website für Harfen-/Harfenistinnen-Suchanzeigen? Oder inserieren Harfenistinnen im „Kesselpaukisten“? Also: Wie kommt man mit der „Harfenszene“ in Berlin in guten, musikalischen Kontakt? #Sinnfragen

Die Harfe ist bei weitem viel zu gering eingesetzt in der zeitgenössischen, modernen Musik. Simonetta Ginelli ändert das jetzt ab! Das ist ihr Alleinstellungsmerkmal. Wer also die Harfe an sich schon gut beherrscht, der kann auch theoretisch gleich die Welt retten. Ihr seht, es gibt aktuelle Bezüge zu Tim Bendzko, auch wenn es zunächst etwas weit hergeholt erscheinen mag.

Nur eine sagt´s wie die BZ: die BZ selbst, sie sagt: „Scharfe Harfe! Sie ist Engel, Göttin, Burgfräulein“ – Ja, wenn Worte ihre Sprache sind. Der BZ fehlen auch nie die Worte. Apropos Worte: She´s wild at harp! Das stammt nicht von mir.

Simonetta Ginelli stellt ihre Harfe dorthin, wo ihre Dienste gefragt werden. Eine Harfe, das ist etwas ganz „Offenporiges“, hat einen meditativen Touch und der Klang perlt wie vom spritzenden Schaumwein, geschüttelt, nicht gerührt. Und dann ist da noch der Teamplay-Aspekt: „The Deja Nova Trio“ nennt sich ein festbesetztes Trio mit dem japanischen Berkley-Absolventen Shota Higashikawa (b, aus Osaka) und dem Amerikaner Daniel La Monte Keeling (voc, aus Kansas). Ein großartiger Song entstand im Mai 2011 in der Küche, wo ja erfahrungsgemäß ohnehin die lustvollsten Kompositionen angerichtet werden. Wie man im Video noch sehen wird, hat Simonetta Ginelli die Schirmherrschaft übernommen. Gesungene Kompositionen entstehen zwar oft auch unter der Dusche, aber diese Küchenkomposition „Cold People“ kann nicht getopfttoppt werden, oder?

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2011: Simonetta Ginelli & ihr Projekt: The Deja Nova Trio – Cold People (via Youtube)

 

(EP)

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