So. Sep 25th, 2022
Alle Bassisten sind Arschlöcher!

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Ein Mitmusiker bekommt ePost. Es geht um die Frage, ob er weiterhin der richtige für diese Band ist. Zur Sprache kommt sein (etwas dürftiges)  Engagement im Rahmen der ansonsten gedeihlich zusammenwirkenden Band. Es geht hin und her, die Auflösung erfolgt auf dem Fuße: Der Herr zieht von dannen.

Wie wird man den persönlichen Kriterien richtiger, guter Zusammenarbeit in einer Band nur gerecht? Es ist schwierig, es ist kompliziert.

Es besteht kein Zweifel: Er ist ein guter Bassist, kurz über die 25 Jahre alt, und sein Name tut hier gar nichts zur Sache. Er arbeitet an der Uni, spielt E-Bass und seit kurzem auch akustischen (Contra)Bass. Sein Zusammenspiel ist kompetent. Er weiß, was er tut. An seinem Spiel als Mitmusiker im Jazzquartett ist nichts auszusetzen.

An seiner Sozialisation schon.

 

Alle Bassisten sind Arschlöcher!
Alle Bassisten sind Arschlöcher!

Alle Bassisten sind Arschlöcher. Überall. (Bild oben)

Er ist immer ganz bei sich.

In den Proben hat er autarke Momente. Irgendwann so mittendrin fällt ihm ein, er muss jetzt weg. Nach Hause. Müde ist er, und Tee möchte er trinken und schlafen. „Ich muss morgen um sechs Uhr raus.“

Die Probe ist noch gar nicht zu Ende. Es ist so 21 Uhr.

Warum er jetzt einfach gehen möchte? Keiner versteht es so richtig.

Das wiederholt sich immer wieder. Es nervt.

Es nervt so sehr, dass es schon bald erste besorgte Rückfragen gibt. Warum willst Du denn schon los? Du bist doch hier nicht allein?

Man muss Verabredungen knüpfen, wo Verabredungen an sich gar nicht so üblich sind. Weil doch die Sache „brennt“, also das Herz für eine Sache brennt: Man ist so gerne Musiker durch und durch. Freut sich auf Proben, kein lästiges Übel. Zeitpläne? Ich habe selten welche gehabt nach hinten hinaus. Am Anfang steht die Uhrzeit, wann man anfängt zu proben. Nach hinten raus? Pah, open end ist richtig.

Ist es gut, passt es. Dann geht´s eben länger. Ist´s mal nicht so gut, wird halt früher Feierabend gemacht. Klar. Aber mit System?

Man hat diese grundlegende Vereinbarung geschnürt und hofft, jetzt ist alles klar.

Immer wieder kommt es vor: Er packt einfach seine Sachen ein. Die anderen schauen sich fragend an: „Was jetzt los?“

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Jetzt ist es immer häufiger dieses „Ich bin bisschen krank“. Auch Vorschläge, die Proben ganz abzusagen. Wie Chichi, wegen Kiki, nichts.

Dabei ist doch das Musik machen eine Königsdisziplin.

Mit der Kritik komme ich nicht durch. Sie verfängt nicht.

Die Diskussionen bringen alle nichts.

Keiner sagt richtig was. Der Gitarrist sagt später, als der Bassist weg ist: Ich müsste eigentlich auch was sagen. Warum sage ich immer nichts?

To be friendly, immer hübsch freundlich, ja? Wegen der Atmo. Shit.

Nein, ich sage was. „Die Chemie stimmt nicht“, aber er ist ein guter Bassist. Schnauze halten und durch? Einfach alles laufen lassen? So wird das nie was. Dinge die stören, müssen auf den Tisch. So geht´s nicht. Nicht mit mir. Nicht mit uns. Wir sind eine Band, und da muss jedes Mitglied mitwirken. Auf zumindest ähnliche Weise.

Tatsache ist aber auch, und das ergibt eine angestoßene endgültige Klärung, die per Email angestoßen wird: Es gibt kein Verständnis miteinander, füreinander. Jeder Satz löst neue Missverständnisse aus. Das liegt natürlich am Medium Email. Es ist wie geschaffen für lauter Missverständnisse. Man darf einfach nicht miteinander mailen. Nicht weil Emails generell ein schlechtes Medium sind. Sondern weil viele, viele, viele Menschen mit Emails nicht umgehen können.

Einer schreibt was. Der Andere erwidert, aber antwortet gar nicht auf die vorgebrachten Punkte. Hat er sie überlesen? Oder versteht er sie nicht? Na klar. Einer sagt was, und fünf weitere verstehen sechs andere Sachen. Larifari und Flüchtigkeit der Auseinandersetzung: Wenn auch schriftliches eine gewisse Gründlichkeit zeitigt. Man muss sich hinsetzen, Gedanken machen und bringt sie zu „Papier“.

Ist eine Diskussion nicht wirklich „reinen Herzens“, wird spätestens per Email ein leichtfertiges Tötungsdelikt aus dem Versuch, Probleme anzusprechen und sie im Interesse der Klärung aus dem Weg zu räumen. Denn Email, das ist eine Krake mit vielen langen Tentakeln, die sich an die Worte krallt, die der Andere gerade erwidert.

Deswegen ist Email das ideale Trennungsmedium. Gespräche neigen zu Kompromissen, schneller, persönlicher Reaktion, zum Kompromiss. Wird die Problemklärung via Email eingeleitet, so ist der rasche Tod häufig. Wer den Anderen noch halten möchte, versucht mit ihm ins Gespräch zu kommen. Wer sich durchsetzen möchte, meldet sich per Email. Oder per SMS. Das ist ja von Teenies bekannt: Sich vom Lover zu trennen. „Du, hat Spaß gemacht, aber ich will nicht mehr.“ – Süß- oder Sauerkirsche, Saure oder Knupper?

Saure.oder.Knupper_Lebensentwuerfe

 

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