So. Mai 29th, 2022

Durch das Konzert der Musikklasse 8 des Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Berlin-Zehlendorf am 18.06. führt der Orchesterleiter und Musiklehrer Herr Riedel und auch so etwas wie ein roter Faden. Inhaltlich geht es in diesen Tagen in Berlin um die Initiative des Landesmusikrats, sich für mehr Musik in der Bildungspolitik einzusetzen. Am 19.06. solle dazu ein Flashmob stattfinden. blackbirds.tv hatte darüber noch rechtzeitig berichtet und auch darum gebeten, daran teilzunehmen. Den Abend des 18.06. aber sozusagen als Generalprobe dafür zu begreifen, würde dem Musikabend nicht gerecht.

Musikklasse 8 - Droste-Hülshoff-Gymnasium Berlin

Der Abend ist eine wiederkehrende, jährlich stattfindende Veranstaltung, in der die Schüler der Musikklasse (Schwerpunkt) ihre Arbeitsfortschritte als Werkschau darstellen. Offenbar wird vieles und man kann mit offenen Augen zuschauen, was innerhalb eines Jahres alles passiert ist. Der Eindruck ist: Es ist viel passiert in diesem Jahr. Wieder haben die Schüler etliche Fortschritte gemacht, sie tragen Musikstücke vor aus allen möglichen, denkbaren Epochen und Jahrhunderten, wir hören ein bisschen Beatles (Yesterday) oder ein „Ave Maria“, deutsches Liedgut (Geh aus mein Herz und suche Freud), eine Pavane, Ungarische Tänze, ein bräsiges Down by the Riverside (mit Klarinette!, whow!), Lollipop, Klezmer, ein bisschen Carmen, und paar Mädels, die uns Ingnorance zu geben versuchen! Tun sie.

Deutlich hört an diesem Abend der Zuhörer, wer seine Sachen gut und gewissenhaft eingeübt hat. Und wer weniger geübt hat, kommt jetzt schon mal aus dem Tritt. Spektrum, Spektrum, Spektrum: es sind ja alles unterschiedliche Menschen, Schüler, die an dem Abend dort etwas abliefern, wo sie gerade stehen. Die einen können richtig viel und sind schon fast ein bisschen „professionell“, während einige sich schon längere Zeit davor drücken, „ernsthaft instrumental“ zu beginnen.
Kurz gesagt ist dieser Musikabend genau in dieser Verschiedenartigkeit sehr schön und irgendwie auch ein Abbild der deutschen Gesellschaft mit all ihren Unterschieden, unterschiedlichen Ständen, im Jahre 2010 in Berlin-Zehlendorf.

Da der aufgeführte Song „Hallelujah“ (Jeff Buckley, geschrieben von Leornard Cohen) aus Gründen persönlicher Befangenheit nicht genannt werden darf, entschließen wir uns, das Highlight des Abends vor allem in dem Lied „La Lune est morte“ (lfd. Nr. 22, Platz 1) und „Ma Yofes“ (lfd. Nr. 20, Platz 2) und schließlich in „Tempo de Minuetto“ (lfd. Nr. 8, Platz 3) zu verorten. Eine Hupfdohlennummer war im Programm, aber eins wie „Satellite“ hat Gott sei Dank niemand gegeben. In diesen Zeiten, in diesem unseren Lande und trotzdem war dieser Musikabend einer achten Klasse komplett Meyer-Landrut-frei! Glückwunsch. Weil blackbirds.tv praktisch nicht chartfrei sein darf, vergessen wir auch die Pavane nicht zu erwähnen (lfd. Nr. 9, Platz 4) und nun aber Schluss damit!

Ansonsten fällt die Gesamtkritik im Nachhinein so aus:

Es ist ein wunderbares Gefühl, einen solchen Abend zu besuchen und Entwicklungen anzusehen. Die gesamte Klasse ist ein großes Team engagierter, musikversessener Heranwachsender, die mal mehr, mal weniger übungsversessen, aber im Ziel einig sind: Musik, Musik, Musik. Es kullern auch hier und da Tränen. Die Anspannung der letzten Tage, Streits zwischen Personen, die im Team zum „gemeinsamen Erfolg des heutigen Abends“ verpflichtet schienen und die Tage zuvor kein Wort mehr miteinander gewechselt haben. An diesem wunderbaren Abend löst sich alles auf wie in Wohlgefallen.

Hinter den Kulissen brodelt es auch an der Droste-Hülshoff-Schule. Es ist die Rede vom Wegfall von Referatsleiterstellen, von Stellenstreichungen, vom Wegfall ganzer Kernkompetenzen, kurz gesagt ist der qualifizierte Fortbestand von gutem Musikunterricht in Gefahr. (Quellen: diverse O-Töne, Buschfunk)

Lehrer Riedel sagt sicherheitshalber an, wann geweint werden darf. Das ist der Choreograph in ihm, der gern auch die Bassstimme als Stütze singt.

Der Tag der Musik ist eine zukunftsweisende Initiative, um die Vielfalt und Qualität unseres Musiklebens in Deutschland hervorzuheben. Gerade für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen spielt Musik und deren Vermittlung eine entscheidende Rolle.“ Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin, Quelle: hier, zum Tag der Musik

Die Forderung des Abends ist der bereits gehörte Kanon, jene Liedform, in der sich die Schichten der einzelnen Gesangsstimmen Schicht um Schicht aufbretzeln zum Grande Finale: Rettet die Schulmusik! Der Abend hat es eindrucksvoll bewiesen! Und das ist auch der Sinn, warum blackbirds.tv sich erlaubt, in epischer Breite darüber zu berichten. Zerrt doch bitte die Großartigkeit dieser Kinder und ihrer Lehrer mal „ganz laut“ hörbar an die Öffentlichkeit und schließt euch den Forderungen des Landesmusikrats an!

Danke für einen sehr schönen Abend!

5 Gedanken zu „219/10: Gigs, Reviews: Am 18.06.10 führte die Musikklasse 8 der Droste-Hülshoff-Schule auf #Review“

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