Fr. Okt 7th, 2022

Der Schlagzeuger einer Liveband hat ein menschliches Problem: Er muss die Time richtig wählen, sie einhalten und dafür sorgen, dass die Band die Time nicht vergisst. Dass der Herzschlag eines Menschen in Aufregung -Lampenfieber- schneller ist, ist bekannt.  Als Schlagzeuger „mit Klick“ Livegigs zu bestreiten, kann daher eine erfolgreiche Strategie sein, die sorgfältig ausgesuchte, richtige Time in Sondersituationen wie diesen zutreffend zu erinnern! Zuverlässigkeit des Drummers.

Das ist ein heißes Eisen: Hinterher über ein Konzert etwas zu schreiben, bei dem man selbst als Strippenzieher mitgewürgt mitgewirkt hat. Nein, das geht eigentlich gar nicht. Zumindest muss der Leser dieser Zeilen das wissen, sonst ist das Marketing, Gefälligkeitsjournalismus, Zweckschreibe. Und deshalb wird es hier auch gar kein großes „Verhackstücken“ des Erstkonzerts der neuen Band The famous, xtraordinary blackbirds.tv geben. Also eine Konzertkritik, die keine wäre. Aber ein paar Informationen kann man schon anbieten. Und erneut ein großes Lob für die begeisternde, engagierte Arbeit anderer Menschen, die „ihr Scherflein“ beitrugen. Wie die Fotografin Gudrun Arndt.


Vorschlaghammer – Live Version (via divshare)

Das Konzert kam unter äußerst schwierigen Begleitumständen zustande. Der Wettergott, dessen genauen Namen wir nicht erinnern, hatte schon wochenlang durchwachsenes Wetter prophezeit. Und obwohl Wetter ja eigentlich etwas Homogenes ist, einzigartig, weil Jörg Kachelmann das deutsche Wetter bereits vor Jahren fest übernommen hatte, war doch auf die Wetterdetails sehr Verlass.

Mutig oder lebensmüde? Unter den gegebenen Umständen prognostizierten sämtliche Wetterdienste den Tag als regendurchsetzt. Allerdings gab das Mikro-Zeitfenster 20 bis 23 Uhr gutes Wetter her. Und das war genau das Zeitfenster, in dem die Band zum ersten Mal aufspielen wollte: open air auf dem Biolandhof Wendt in Berlin-Zehlendorf, in der Nähe vom Teltowkanal. Schon der Gesamtaufbau gestaltete sich schwierig. Die gesamte Bühnenstruktur wurde mit Helfern provisorisch zurechtgezimmert.

Am Ende konnte das Konzert wie geplant um 20 Uhr beginnen und während des gesamten Konzerts gab es den Umständen entsprechendes Bestwetter, kein Zweifel, Schwein gehabt. Das Programm bestand aus zwei Sets, die für den Gig eigens zusammen gestellt waren. Zu 60% Stücke der Weltpopgeschichte, zu 40% eigenes Material. Das hatte die Band seit Monat Mai für den Gig einstudiert.

Der Sinn dieses Konzerts bestand darin, die Band erst einmal einem privaten, geladenen Publikum (bei freiem Eintritt) zu präsentieren und Zuschauerreaktionen -Feedbacks, nicht von der Musikanlage- zu bekommen. Zweitens wurde der gesamte Auftritt mit professionellen Videokameras eingefangen und last -but not least- erschienen einige ambitionierte Fotografen.

Am Ende dieses Beitrags kann beispielhaft auf die inzwischen in der Berliner Musikszene für ihre guten Fotos bekannte Gudrun Arndt genannt werden. Die „vorzeigbare“ Fotogalerie, die Gudrun Arndt bereits heute zur Verfügung stellt, zeigt umfassend und durchaus „gänsehautkompatibel“ Bilder vom Erstauftritt. Die Fotos sehen -was Wunder?- wieder saugut aus und eigentlich muss man Musikern und Bands wirklich dringend raten, Gudrun Arndt bei Bedarf als bezahlte Fotografin zu buchen. Wir kennen in Berlin -ohne jede Übertreibung- wirklich kaum andere, auf das Musikgenre spezialisierte Fotografen und Fotografinnen, die so eindrucksvolle Bilder machen. Danke, Gudrun Arndt! Diese Fotos sind wirklich einmalig.

You can observe a lot by just watching. -Yogi Berra (Gudrun Arndts Motto)

Was das zwei Set betreffende Programm des Abends angeht, so hat es dem Publikum offenbar gefallen. Zwei Zugaben mussten sein und dann musste eigentlich Schluss sein, denn in Berlin riskieren öffentlich auftretende Bands und/oder Veranstalter bei Verstößen gegen den Lärmschutz drastische Ordnungsgelder. Die Band hatte ein derart gutes Feedback der Zuschauer eigentlich nicht erwartet, ist nun glücklich, dass es dem Publikum gefallen hat. Wofür sonst treten Bands auf? Die erhoffte Belohnung für dauerndes Proben ist der Applaus des Publikums.

Blackbirds.tv dankt an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich sämtlichen Beteiligten, die das Konzert möglich gemacht haben. Dem Publikum für die Anerkennung und was den Wunsch anbetrifft, die Band möge demnächst wieder auftreten, noch einmal so viel: Geplant ist jetzt eine „zweite Werkstattphase“, bevor die Band wieder auftreten wird. Die Band versteht sich nicht als Coverband, sondern sie wird darauf hin arbeiten, dass das gesamte Programm aus eigenen Stücken besteht, ein Unterfangen, das im Rahmen von drei Monaten seit Bandgründung nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre.

Auftritte daher voraussichtlich erst wieder ab 2011. Aber schön war’s.

3 Gedanken zu „257/10: Gigs, Reviews: Am 28.08.10 traten „The famous, xtraordinary blackbirds.tv“ erstmalig auf!“

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