Di. Dez 6th, 2022

Banner Der BandSoziologe

Es geht um den Fortbestand der handgemachten Musik, um nicht mehr und auch nicht weniger!

Mit dem Wort „Compliance“ lässt sich viel verbinden, in mannigfaltiger Hinsicht. Was den musikalischen Steckrahmen freiwilliger, unprofessioneller, aber gedeihlicher und vernünftiger musikalischer Zusammenarbeit angeht, kann man „Compliance“ schlicht mit „Befreiung von Bestechlichkeitsargumenten zu großer Nähe miteinander“ etwas lockerer übersetzen. Zur Begriffsklärung: hier

Vielleicht kommt es dir abwegig vor? Wenn du dich entscheidest, mit (Hobby-)Musikern eine Band zu gründen: Versuche, die Dinge voneinander getrennt zu sehen, aber ganzheitlich. Die folgenden Tipps richten sich nicht an Profis, die davon leben müssen. Es geht um Trennung von Amt und Mandat bei dem Wunsch, Musik in einem unprofessionellen Umfeld, schier zur eigenen Freude,  zu machen.

Ich machte mal vor etlichen Jahren mit einem Malermeister zusammen Musik. Er spielte schon seit Jahren Bass und ich Schlagzeug. Wir hatten uns über die berufliche Schiene kennengelernt. Er arbeitete für mich. Irgendwie freundeten wir uns an und wir beschlossen, gemeinsam Musik miteinander zu machen. Die Sache ging nicht gut, will ich euch berichten.

Ich hatte an seiner Arbeit als Malermeister handwerklich nichts auszusetzen und die Aufträge, die er für mich abwickelte, rechtfertigten eine Wiederholungsbeauftragung. Allerdings hatte das nichts mit seinem Bassspiel zu tun, wie ich feststellen musste….er schwang die Quasten schön, die Saiten aber nicht!

Nach kurzer Zeit beschloss ich, sein Spiel am Bass irgendwie schräg zu finden. Ich dachte, er hat es rhythmisch nicht gut drauf. Um es kurz zu machen: Wir gingen alsbald wieder getrennte Wege. Nun war allerdings, weil er sauer war und mich beschimpfte, das Verhältnis „so ein bisschen“ untragbar (Aha!) geworden. Ich beschloss, auch beruflich mit ihm nichts mehr zu tun haben zu wollen. „Ende Banane“. Ende der Fahnenstange. Als ich seine Mutter nach Jahren anrief, um mich zu erkundigen, was er so trieb, verabredete ich mich mit seiner Mutter, sie richtet meine Grüße und den Wunsch aus, er möge mich einmal anrufen. Auf eine Tasse Kaffee, was machst du so?

Er meldete sich nie. Merke: Es ist gar nicht mal so selten, dass Leute, mit denen du Streit hattest, dich künftig komplett wegblenden und nie wieder mit dir reden! Spricht das am Ende eher gegen diese Menschen? Wahrscheinlich. Es erscheint uns als Gottesgabe, Streits um des Streits selbst willen und hart in der Sache zu führen und darüber im Gespräch zu verbleiben und das Ziel, den Diskurs mit einem Menschen, nicht vollkommen aus den Augen zu verlieren. Nicht jeder besitzt persönliche Größe. Nicht jeder kann überhaupt angemessen streiten. Viele wünschen sich Harmonie und Frieden, so wie „warme Schlagsahne auf warmem Kuchen“ (Peter Gabriel)

Ganzheitliche Auseinandersetzung mit Mitmusikern ist notwendig. Schonung, in Ruhe lassen, vertagen, Dinge nicht zu besprechen nicht. Hier und heute gehört uns die Welt und wenn wir nicht aus Gründen richtiger Rücksichtnahme Dinge geringfügig vertagen, müssen wir sie daher hier und heute ansprechen, um sie heute zu regeln, nicht morgen. Der beschwichtigende, abwiegelnde und konfliktscheue „große Junge“ mit den „rehbraunen, treudoofen Augen“ setzt sich auf Dauer nicht durch, er ist zu lieb in einer harten, kalten Welt.

In einem anderen Fall machte ein Hobbymusiker mit seinem späteren Steuerberater gemeinsam Musik. Sie überwarfen sich musikalisch. Die Trennung kam kurz, aber nicht ohne Schmerzen. Hinterher schrieb zwar der Steuerberater seinem „gewesenen Freund“, das Mandat als Steuerberater würde er beibehalten können, denn das könne er vom musikalisch-menschlichen Zwist trennen. Da lachte der Andere, der ein paar Jahre älter war, aus Lebenserfahrung. Nicht aus Schadenfreude, sondern wissend, offenporig und mit so einem „Aha“ auf den Lippen und einem „mal sehen“. Dieses „mal sehen“ dauerte nur wenige Tage.

Er behielt Recht. Die Band war nun aufgetrennt und nur wenige Tage nach diesem „nervous breakdown“ mit anschließendem Split erhielt der Hobbymusiker von seinem „gewesenen“ Steuerberater die fristlose Kündigung wegen „zerrüttetem Vertrauensverhältnis“. Siehste. Atomic flash deluxe!

Kaum jemand im jüngeren Alter ist (schon) in der Lage, ein zerrüttetes Vertrauen von einer „beruflich-sachbezogenen“ Ebene zu trennen. Wozu auch? Das ergibt für jeden scharfsinnig denkenden Menschen kaum einen Sinn. Wie auch? Ja, eine Angebetete namens Musik rechtfertigt viele, verfängliche Emotionen, Haken und Widersprüche, wenn man sie Gefühls-Invest betreibt. Wer die Waage zwischen Geben und Nehmen im Ungleichgewicht empfand oder sich bis dato stets für einen Gutmenschen hielt, zu gut, um sich jetzt noch (nutzlos) zu verschenken, der aber denkt: „fair trade“ ist das nicht! Ein jeder Mensch sei eigenständig und autark, so wird ihm an nichts mangeln!

Was lernen wir daraus?

Es ist nicht gut, seine Mitmusiker zu okkupieren, und sie zugleich auch als Steuerberater, Architekt oder als Malermeister zu beschäftigen und anzunehmen, wenn das eine gut klappt, würde es auch in musikalischen Dingen gut klappen. Oder umgekehrt: nur weil es gerade musikalisch gut klappt. Das Berufliche, das könne erst so richtig etwas werden, gerade weil man sich ja musikalisch….oder privat….oder „künstlerisch“, das ist (leider) „bullshit“.

Gitarristenarbeit ist Handarbeit!
Gitarristenarbeit ist Handarbeit!

Banner FotoCreditsMarek Lange, profil-fotografie.de

Noch etwas kommt dazu,  und das nennen Fachleute „compliance“: Gerade jemand, der besonderes Vertrauen zu rechtfertigen hat, wie Rechtsanwälte, Steuerberater, Therapeuten, Architekten: das sind Menschen, die eine besondere Intim-Kenntnis vom menschlichen Wesen besitzen müssen. Sie gewinnen Einblicke in persönliche Lebensbereiche anderer Menschen. Niemand kann gut trennen, was er einerseits erfährt, um es andererseits und ganz besonders im Streitfall nicht gegen dich zu verwenden.

Kann man also „überlappende“ Bereiche, gemeinsame Zielverfolgungen, gänzlich vermeiden? Kernaussage: Man sollte vielleicht…., mir sind kaum gegenläufige Beispiele bekannt, die auf Dauer gut gingen!

Der mit mir musizierende Rechtsanwalt und Bassist wird das Mandat zur Zurückweisung des Falsch-Parken-Knöllchens heranziehen, so wie die steuerliche Malaise des irgendwie zu streitsüchtigen Mitmusikers, dessen Rechtsbehelfe beim Finanzamt negativ punkten wegen „aussichtloser“ Erfolgsaussichten. Von der heimlichen Trunksucht des Mitmusikers, seiner Therapie, seinem kleinlichen Streit mit der Baugenehmigungsbehörde oder mit dem Finanzamt. All diese Gesichtspunkte sind in Beratungsverhältnissen Erkenntniszugewinne, die im Streitfall zu negativen ‚Vorrats-‚Verurteilung des Mitmusikern führen. Diese werden nicht ausgesprochen, liegen unbeachtet in der Schublade, aber nun stechen diese Trümpfe. Es jemandem auf diese eklige Art und Weise heimzahlen zu wollen ist ein vorwerfbares Fehlverhalten und ein Zeichen mangelnder menschlicher Souveränität.

Jeder hat seine Gründe, so oder so oder so zu agieren. Uns, also auch dem Autor steht es nicht zu, darüber zu urteilen, ob es richtig oder falsch ist, wie sich jemand verhält. Das ist auch der Grund, warum der BandSoziologe von konkreten Einzelfällen komplett losgelöst ist und daher eine Verdrahtung mit der konkreten Realität unterbleibt. Im besten Fall kann man sagen, ok, unter diesen Umständen geht es nicht mit uns. Aber ohne dem Gegenüber, dem Partner, dem Mitmusiker in direkter Weise zu sagen, er tauge nicht für das eigentliche Vorhaben, weil er so und so oder so ist, was uns, also dir nicht passt, geht es nicht. Es ist ein wirklich so sensibles Thema.

Hinzu kommt der eigene Erfahrungsbackground eines jeden selbst:

Derjenige, dem alles zugefallen ist im Leben, als Sohn wohlhabender Eltern, als Erbe einer großen Firma, der „soziale Gewinner“. Er hat vom HartzIV-Empfang seiner Mitmusiker kaum Ahnung bzw. eine Vorstellung, noch weiß er mit etwas anzufangen mit Menschen, die aus eigener Kraft Existenzen aufgebaut haben und sie trotz weitreichender Lebenskämpfe nicht verloren hat. Natürlich spielt sich der gutbürgerlich situierte Sohn auch gern als Mäzen seines Projekts auf, aber ist dieses Engagement selten selbstlos. Selbstlos fördern die Wenigsten schöne Künste! Insgeheim rechnen sich die großzügigsten Mäzene aus, sie hätten hier besonders viel investiert und erwarten nun Rendite.

Gerade wenn man solche privaten (und vor allem) unprofessionellen Verbindungen hat, wie miteinander hobbymäßig Musik zu machen, gibt es keinen vernünftigen Grund, die beruflichen, professionellen Handlungsstränge auch noch damit zu verbinden. Ganz im Gegenteil! Es liegt auf der Hand: Sobald einer der beiden sich vom anderen -aus welchem Grunde auch immer- benachteiligt sieht, leidet das jeweils andere, bestehende Verhältnis und zerbirst zu Scherben! Ton, Steine, Scherben und „ab in die Tonne“ mit der Beziehung.

Also merke: Egal, was du darüber denkst, bedenke zumindest mit, dass derartige Überlappungen in den seltensten Fällen Vorteile bringen. Spätestens wenn einer von beiden unprofessionell und emotional fühlt, denkt und handelt, ist es aus mit diesem Spaß! Jetzt weißt du es, es steht ja hier geschrieben: von nun an kannst du fest damit rechnen.

Bass spielen ist Handarbeit!
Bass spielen ist Handarbeit!

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Dann kann dir nichts passieren.

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