1953/20 #Positionen – Bei JustMusic gibt es offenbar ernsthafte Probleme, die Standorte Hamburg, München und Dortmund werden 2021 zugemacht

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JustMusic schließt die Standorte Hamburg, München und Dortmund – Geschäftsführerin Lilli Stock„Wir bedauern die Filialschließungen, sehen hierin aber auch die Chance, mit einer neuen Marktstrategie die langjährige JustMusic-Marktpräsenz erfolgreich fortsetzen zu können.“ – meldet Das Musikinstrument hier am 03.09.20

Und Achtung: Dieser kurze Beitrag kann Anteile von Meinungen enthalten. Der Berichterstatter (das bin ich) sieht es mit äußerst gemischten Gefühlen.

Anfang der Achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war da mal ein sehr inspirierter, großartiger Musiker und Unternehmer namens Jochen Stock. In der Pariser Str. in Berlin-Wilmersdorf schlawenzelte der Berliner Musiker inspiriert herum und nicht uninspiriert. Hardware gab es dort zum Kaufen, mit Brainware und der Kraft guter Gedanken mussten Musiker dann nur noch Musik machen. Stock half der Musikszene, auf die Füße zu kommen.

Dann setzte eine Zeit großer Veränderungen ein und die Branchenprimusse Deutschlands konkurrierten immer härter, das Internet verschmolz die Kundenströme auf die Onlineverbindungen. Stock expandierte auch wie wild und die Standorte Hamburg, München und Dortmund entstanden. Gleichzeitig wurde ein großer Flagship-Store in Kreuzberg aufgezäumt und die vormalige Berlinzentrale, das Gründerlokus des Geschäftsinhabers, aus der Pariser Str. wegverlegt.

„Sound & Drumland, Pariser Str….. das war mein „Music Wonderland“, gleich nachdem ich in Berlin ankam…. und für viele Jahre. „Just Music“ kam da nie dran. Expansion hin, Expansion her. Wenn man sich mal mit dem „T.“ beschäftigt, kann man dort niemandem den Erfolg nachtragen. Eine grundsolide, kaufmännische Erfolgsgeschichte, wie sie im Buche steht. Nicht nur im Notenbuch. Dort kauft man keine Ware auf Kommission, nein: Das Lager von T. ist voll mit bezahlter Ware und Eigentum von T.  Dort wird nicht outgesourced auf Teufel komm raus, stattdessen macht man nehezu alles inhouse. Bewundernswert, und der Erfolg ist von meiner Seite zutiefst gegönnt. Hier kann man dem Platzhirsch keinen Vorwurf machen, hier muss sich „alles darunter“ fragen, was besser zu machen gewesen wäre, um daneben zu existieren. Die Steifheit, mit der Just Music an diesem völlig schrägen Kassenkonzept festhält, ist ein gutes Beispiel für wenig Mut zu Veränderung, wenig Anpassung an Kundenbedürfnisse. Trotzdem oder gerade deswegen schade…. – schreibt Wilfried Buergermeister, Berlin, Facebook-User, in Referenz auf diesen Artikel auf blackbirds.tv und wir finden es vortrefflich formuliert.

Es ist gar keine Frage: Der große T. aus Treppendorf, eindeutiger Branchenprimus seit vielen Jahren, hat den europäischen Musikinstrumentefachhandel von Grund auf aufgemischt. Der T.-Preis für ein Stück Handelsware ist inzwischen ein Äquivalent. Das macht einem auch Sorgen. Denn wenn es unproblematisch ist, in einem Musikgeschäft zu fragen: „Bist Du bereit, zum Preis vom T. das Gerät zu verkaufen?“ und der Händler willenlos sagt: „Jawoll, da ziehen wir mit.“ dann ist eins auch ganz klar: Das strafft die Margen der Händler.

Wenngleich ein jeder weiß, dass die Marge sich immer aus einer Querkalkulation zusammensetzt.

Die große Frage, was nun kommt, bleibt heute unbeantwortet. Es sieht nach einer weiteren Marktkonzentration aus, das liegt ja irgendwie auf der Hand. Ob das am Ende auch der Kundschaft gut tut, ist eine andere Frage. The Big T. aus Treppendorf – The Winner takes it all.

Sehr gerne.

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