520/11: Personen & Porträts: Fahrenkrog / Anders – ein MashUp der anderen Art #record release

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„Uwe und ich wollten einfach das Beste der achtziger Jahre und Nena zeitgemäß in die Jetztzeit transformieren. Das ist uns, wie ich finde, sehr gut gelungen. Meine Stimme und die genialen Songs des Soundmagiers Fahrenkrog-Petersen haben ein wirklich atemberaubendes und modernes Popalbum entstehen lassen.“ Thomas Anders über die Zusammenarbeit mit Uwe Fahrenkrog-Petersen an der Neuerscheinung „Two“ von Anders | Fahrenkrog

Uwe Fahrenkrog-Petersen war ca. 1978 Keyboarder der Berliner Band Odessa, die zwischenzeitlich doch in Vergessenheit geraten ist. Die Band stand seinerzeit in dem Stallgeruch, saugute Musik zu machen. Wenig später adelte Fahrenkrog-Petersen eine junge Sekretärin aus Hagen, Angestellte in der Fabrik Rakete von Überfotograf Jim Rakete, indem er ihre musikalischen Rundungen betastete. Gabriele „Nena“ Kerner machte Weltkarriere und war „the german Frolleinwunder“, maßgeblich begleitet durch Uwe Fahrenkrog-Petersen am Keyboard, auch wenn viele witzelten, sie hätte allein ein faible für Schlagzeuger. Was ich mir übrigens merkte.

Fahrenkrog | Anders (Quelle: Universal-Music)

Fahrenkrog | Anders (Quelle: Universal-Music)

Als die Manager der Musikindustrie irgendwann feststellten, dass es irgendwie alles schon einmal gegeben hatte, wurden sie erst ein Stück weit traurig. Dann beklagten sie eine Zeit lang das Wesen des neu aufkommenden Internets. Sie stellten fest, dass sich ihre Musik nicht mehr richtig absetzen ließ. Und die Originale starben aus oder wurden so alt, dass man sie kaum noch auf die Bühne rollen konnten. Als sie im Internet gesehen hatten, dass dort jedweder noch so beliebige Content auf eine vollkommen unerwartete, frische und neue Weise neu zusammengesetzt werden konnte, wurden sie ein Stück stutzig. Und dann fügten sie zusammen, was nicht zusammen gehört: eigentlich sollten forthin alle sagen: Fahrenkrog | Anders. Einige ganz Gewiefte aber wussten: Fahrenkrog ist anders! Besser! #filosofisch

Thomas Anders war seinerzeit als gesangstechnischer „Counterpart“ eines Herrn Dieter Bohlen die rechnerische Hälfte von Modern Talking, dass die von Musik etwas verstanden, insgeheim als „modern schwachsinn“ verunzierten. Doch davon sind weltweit ca. 180 Millionen Tonträger verkauft worden. Haben sich alle anderen nur geirrt? Jedenfalls war Thomas Anders auch Haßfigur der Punkszene und ein beliebter Gassenhauer brach sich Bahn und wurde (ebenfalls) zum Evergreen: „Am Tag, als Thomas Anders starb….“.

Dass nun Uwe Fahrenkrog-Petersen und Thomas Anders ein Popprojekt starten namens Fahrkrog/Anders, gehört zu den im Kopf kaum zusammen zu bekommenden MashUps der Musikszene, wonach kein Ding mit einem anderen zusammengehört, dass wir uns kaum vorstellen können. Dies Projekt ist so eins, dass wir uns kaum vorstellen können. Und doch erlaubte Universal Music den beiden offenbar, miteinander ins Rennen um Verkaufszahlen zu ziehen, ob das von Erfolg gekrönt werden wird, bleibt abzuwarten?

12 Stücke im zeitgemässen, etwas retro-gefärbt daherkommenden Disco-Dance-Handclap, etwas unterlegt mit Voiceprozessoren und synthie-unterlegtem Dancefloor-Beat, bei dem man einen richtigen Schlagzeuger wohl nicht erwarten darf, bekommt der Käufer des am 10. Juni 2011 erscheinenden Albums „Two“ zu spüren. Beim Vorhören der zwölf Stücke bekommt man unweigerlich Erinnerungen an die Achtziger Jahre, so wie es die Protagonisten in ihren Presse-Klappetexten auch verkünden. Man denkt an Haarspray, Achselhaare, Toupierfrisuren, Modern Talking und an Synthie-Songstrukturen, wie sie Dieter Bohlen schon einmal vergeblich versucht hat, erneut aufzufrischen. Das zweite Modern-Talking-Abenteuer des Dieter B. aus Tötensen endete in einem gerichtlichen Fiasko und der erfolglosen Behauptung, Thomas Anders hätte von den Toureinnahmen etwas für sich abgezweigt. Man las das und war irgendwie beruhigt: ein dritter Aufguss von Modern Talking war entgültig nicht mehr zu befürchten.

Der Gedanke ist da und bricht sich seinen Weg: Da hat dieser Thomas Anders aber wirklich einen großen Griff getan. Er hat sich einen Musiker zur Seite gestellt, den man durchaus als großartigen Ersatz und als Übertrumpfung der vormaligen Nervensäge Dieter Bohlen be- bzw. aufgreifen kann. Doch Fahrenkrog-Petersen bleibt auf dieser Neuerscheinung kilometerweit hinter seinen eigentlichen Fähigkeiten zurück, ja, schade, Fahrenkrog-Petersen hätte diese Zusammenarbeit nicht zusagen sollen. #Meinung

Und: Uwe! Du hast viel bessere Musik schon gemacht, deine musikalische Vita ist großartig und deine vielfältigen Projekte waren es auch. Dieses hier hättest du dir und uns ersparen können, sagt uns eine erste, spontane, innere Stimme. Aber wir können uns irren: Mag das Publikum entscheiden, ob es dieses Kunstprojekt annehmen will? Wir haben es wieder abgeschaltet. Und wir freuen uns auf andere, bessere Zeiten. Wie oben gesagt: Fahrenkrog ist anders! Anders als Anders!

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