So. Sep 25th, 2022

Banner Audio-Paparazzi

Ich bin dann mal weg. (Buchtitel von Hape Kerkeling, der seinen persönlichen Jakobsweg beschreibt)

In einem nahen, weiten Land probten am 13.04.2010 paar Musiker in einem Proberaum. Dabei wurde versehentlich mitgeschnitten, auf welche Weise die Probe in Beendigung genommen wurde. Zum Zwecke der konkreten Nachweisführung wurde unserer Redaktion der Audioschnipsel eines widerlichen Paparazzi zugespielt. Tja, dumm gelaufen, nu ist Schluss mit der Arbeit im Verborgenen. Dinge werden auf diese Weise so an die Öffentlichkeit gezerrt, wie man sie nachdrücklicher, eindrucksvoller und vor allem entlarvender niemals hätte erfahren können.


The End of Rehearsals (The famous, xtraordinary blackbirds.tv – CD Blackworks 03.2010) – via Divshare

(Direktlink)

Vor allem: Wie hört sich eigentlich das Ende einer Bandprobe an? blackbirds.tv entlarvt jetzt die ganze Wahrheit und berichtet schonungslos, offen, ehrlich und unverblümt. Ein alter Mythos kracht. Der Mythos vom rechtzeitigen Ende. Das gehörte Stück trägt denn auch den sehr gradlinigen Titel „The End of Rehearsals“ und dauert insgesamt 8m15s29ms. Wir haben es überprüft. Alles korrekt.

Typisch Militärausbildung. Drummer Tommy leitet das Ende mit einem kurzen Snareroll ein. Es sind, am Ende der Probe, aus den Fugen geratene, rüde Rudiments. „War mal wieder schön heute“, ächzt Kai, Percussionist, und Berni greift den angedeuteten Abschied sogleich auf. „Ich pack jetzt auch ein.“ Steffen will noch nicht Schluss machen, schnappt sich ein paar erreichbare Tasten, weiße und schwarze, von wegen stimmungsmäßiger Ausgewogenheit. Bekanntlich sind die schwarzen für die traurigen Lieder.

Aber jetzt mal ehrlich: Das unmittelbar bevorstehende Ende einer Bandprobe hört sich doch nun wirklich etwas anders an, oder? Man merkt den gespielten Sachen eine Art abschließende Lässigkeit an. Niemand gibt sich noch Mühe, aber entzückend ist es. Es plänkelt so dahin. Und alle vergessen das Einpacken. Weiter, weiter, so lang die Töne tragen. Schiss-Moll Sieben, meint Berni, und der zweite ist Dur. Ist Wurscht. Hauptsache, es ist nicht gleich so hart Schluss.

Dass wir diese True Story hier korrekt abbilden, hängt damit zusammen, dass netz- und weltweit so gut wie keine vernünftigen Quellen vorhanden sind, wie lange eigentlich Probeenden dauern? Stellt euch vor, jemand nimmt sich vor, künftig in eine Band einzusteigen, und dann ruft Schatzi an und fragt: „Wann kommst du, Hanspeter?“ Hanspeter, noch unerfahren, hat gegenwärtig noch die Worte von Berni „Ich pack jetzt“ im Ohr, nimmt das für bare Münze.

Also merkt euch eins: eine Verabredung zum Ende einer Probe ist noch nicht gleichbedeutend mit selbiger. Schatzi muss nicht warten und letztlich enttäuscht sein, weil Hanspeter dann doch erst mindestens 10 Minuten später als erwartet zuhause eintrifft. Ab heute gilt: Hanspeter kann auf blackbirds.tv alles zu diesem Thema recherchieren. Ein echter Beziehungsratgeber.

Irgendwann hat sie gesagt, sie hat jetzt die Nase voll. Sie oder die Band. Weißte was? Die Band besteht jetzt schon so lange. Such ich mir eben eine andere, nein, nicht Band…. (Häufig anzutreffende Einstellung von Musikern mit Lebenspartner, die ihrem Herzblut keinen oder zu wenig Respekt zollen)

Als Erfahrungswert, und das ist der Sinn dieser wegweisenden Veröffentlichung hier, gelten die hier abgebildeten Ansätze. Folgende Regeln lassen sich aus dem Gehörten weiterentwickeln als unverbindlicher Richtwert. Anfänger aufgepasst: nicht mitschreiben, wir faxen es euch zu bei Bedarf (frei nach Piet Klocke):

  1. Das exakte Ende einer Bandprobe dauert von der erstmaligen Erwähnung bis zum Vollzug ca. 8m15s29ms. Oder länger.
  2. Niemals jedoch bedeutet die erstmalige Erwähnung, dass sich alle daran halten.
  3. Stilistisch ist mit dem in Aussicht genommenen Probenende nicht verbunden, dass Trauermarsch, Etüde oder traurig eingefärbte Ballade zu verbinden ist, sozusagen zum Abschied. Durchaus erwünscht ist südamerikanische Leichtigkeit. Bekannt ist hier wie da, dass Trauerrituale in unterschiedlichen Völkern der Welt auch unterschiedliche Emotionsäußerungen nach sich ziehen.
  4. Beethoven hat fürs Probeende die „Ode an die Freude“ komponiert. Heute darf’s auch mal ein Bossa sein.
  5. Merke: Der persönliche Jakobsweg eines Musikers ist der Gang in den Proberaum, und nur dorthin. Der Gang nach Canossa hingegen, das ist für den Musiker der Weg nach Hause, von seinem liebsten Allerwertesten weg, dem Proberaum.
  6. Traue keinem Lebenspartner, der deine Liebe zur Musik nicht tiefgehend respektiert. Jeder Mensch hat mehrere Lebenspartner: die Freundin, die Frau, den Mann, aber auch die Arbeit, den Broterwerb, eigene Kinder, Haus, Tiere und vieles anderes mehr.
  7. Weitere Erkenntnisse bitte der Redaktion mitzuteilen! Herzlichen Dank.

Wird fortgesetzt, sobald die Trauerarbeit beendet ist.

(für Steffen)

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.