Di. Mai 24th, 2022

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Es geschah so ab März diesen Jahres (2010). Ein paar Menschen in Berlin kamen auf die Idee, dass es jetzt Zeit wäre, bestehende Projekte zu überdenken, neue zu versuchen und vielleicht sogar eine neue Band zu gründen. Das Vorhaben: Die zu spielende Musik sollte echt sein, sie solle auch Platz bieten, sich musikalisch auszutoben. Wichtig: Sie solle tanzbar sein, also hätte sie irgendwas mit Funk zu tun. The Code of Funk?

Man kann der Musikinstrumenten- und Geräteindustrie für eines gar nicht dankbar genug sein. Alle zwei bis sechs Monate gibt es Innovationsschübe, die Sachen werden immer besser und finanziell werden sie insgesamt nicht teurer, sondern eher billiger. Dies trifft in besonderem Maße auf die Recording-Möglichkeiten zu. Wer früher von einem eigenen Tonstudio schwärmte, um endlich Hits a gogo zu fabrizieren oder auch nur, um sich musikalisch auszudrücken, musste einiges investieren. Inzwischen gibt es solch großes Spektrum an „diversifizierbaren“ Audioaufnahmetools, dass einem regelrecht schwindlig wird.

Für die tönenden Notizen diente früher der Cassettenrecorder. Solche Aufnahmen aus den Siebzigern und Achtzigern gibt es heute noch in einer Vielzahl Berliner Wohnzimmerschränke. Die mal wieder raus graben, anhören? O Schreck, wie das klingt. Die Dinger sind in die Jahre gekommen, merkt man. Aus reinem Eigeninteresse: Zeit, das Zeugs zu digitalisieren. Es muss ja nicht gleich ins Berliner Rockarchiv eingesandt werden, das um audiophile Memorabilia bittet.

Die Halbwertzeiten funktionierender Rückbetrachtung werden kürzer. Hier und heute wertet ein schreibender Berichterstatter gerade digitale Aufnahmen (gefertigt mit einem Zoom HN4-Digital-Handyrecorder) aus, die im März und April dieses Jahres entstanden sind.

Am Anfang eine Idee. Berni (g.), Kai (perc.) und Tommy (dr., Verlegenheitsgesang, weil nie ein richtiger Sänger da war) treffen sich zu ersten Sessions. Das macht erst einen Sinn, so die einhellige Meinung, wenn auch ein Bassist dabei ist. Da gibt es noch Tim, der vieles anderes vorhat und daher als Wackelkandidat gilt. Würde er „bei der Stange“ bleiben, wenn sich was Großartiges entwickelt? Im Heer der Internet-Kleinanzeigen (o Graus, was ärgert man sich mit Anzeigen rum) wird schließlich Werner gefunden. Im Vergleich von zwei Bassisten schneidet Werner eindeutig mit „hervorragend“ ab und seine Mitarbeit wird herzlich erbeten. Sie hält bis heute an und Werner ist ein großartiger, einfühlsamer Bassist, nachdenklich, wenn er sich kritisch äußert, haben seine Gesichtspunkte eine nicht abzusprechende Berechtigung.

Für den Code of Funk, soviel ist klar, würden sich die jetzt Vier noch einen Keyboarder wünschen, und wer singt? Ein, zwei großartige, hübsch anzusehende Frauen? Oder ein schwarzer 150 Kg-Mann mit Glatze und Tatoo „Funk“ auf der Stirn? Und wie einen Sänger oder eine Sängerin finden?

Es sind -kurz gesagt- wieder die neuen, ungeahnten Möglichkeiten, die den Suchenden weiterhelfen. Ins Spiel kommt die inzwischen gefestigte Praxis, grundsätzlich jede der bisherigen Bandproben (die eher Sessions sind) mitzuschneiden. Die ersten Sessions zu viert sind schon einigermaßen fulminant, hier und da wird’s einem warm ums Herz. Einiges ist verbesserungsbedürftig, aber wenigstens merkt man, was. Indem man sich die Aufnahmen durchhört.

Ich mag diese von sich selbst so überzeugten „noch nicht entdeckten“ Rockstars nicht, die um ihre Musik so viel Brimborium machen. Dass Menschen Mitmenschen suchen, um mit ihnen Musik zu machen, lässt sich nun mal nicht anders lösen, als mit grenzenloser Offenheit.

  • Wer bin ich?
  • Was spiele ich?
  • Wie klinge ich?
  • Wie gut oder wie schlecht bin ich?

Da kam auch mal so ein recht junger Sänger zu uns und protzte gleich mit seinen guten Connections zur Industrie und zu befreundeten Popstars. Gähn, wie langweilig. Es geht nicht darum, dass einer einen kennt, sondern es geht darum, ob was du aufnimmst überhaupt für Andere wert ist, angehört zu werden. Zuallererst zählt allerdings nicht „die Anderen“ zu verzücken. Erfolgreich kann nur ein Bandprojekt sein, indem die Mitmusiker das, was sie tun, innigst lieben.

Die Vielzahl der Internetbenutzer lassen sich im Web 2.0 recht gut in zwei Klassen einteilen, wenn man sich bei Facebook, myspace und Konsorten umschaut:

  • Die etwas benutzen, weil es ihnen angeboten wird, wie z.B. Mafia Wars, Glückskeks und dergleichen.
  • Die etwas benutzen, um damit echte Inhalte und Mehrwerte übers Netz zu verteilen, also das, was aus einem selbst kommt, mehr oder weniger gelungen zu veröffentlichen.

Während die Gesamtauswertung erfolgt, um schlicht und ergreifend das erarbeitete Audiomaterial nochmals in Stücke zu schneiden, es durchzuhören, um darüber zu sinnieren, ob diese Sessions erfolgreich waren und vor allem warum, fallen ein paar ganz grundlegende Erkenntnisse an:

  • Diese Band spielt gut, nein, immer bässer (Redewendung des Bassisten) zusammen. Das wird.
  • Diese Band hatte zeitweilig einen nur als Riesengewinn zu bezeichnenden Keyboarder in der Mitwirkung, der aktuell noch überlegt, ob er genügend Zeit dafür hätte. Lust hätte er wohl, sagte er jedenfalls, oder anders: Es hätte ihm Spaß gemacht.
  • Selbst die Sessions, die der Sängerauswahl vorausgingen, sind bereits unter musikalischen Aspekten aufregend. Keine Frage, dass die sich daran anschließende, zweite Phase mit einem begnadeten Sänger nur noch die Steigerung der Erstphase gewesen war. Aber auch die Erstphase muss noch kommuniziert werden. Der begnadete Sänger muss die Stücke aus der ersten Jam-Phase zu Gehör bekommen. Denn es verbergen sich da drin jede Menge Schätzchen, wie diese Band klingen könnte.

Es wäre nur niemandem aufgefallen, wenn man die Rückschau unterlässt. Der Audiofetzen am Beginn dieses Beitrags enthält daher eine tiefe Wahrheit. Inzwischen folgen ihr auch Taten, welche genau, wird heute nicht verraten.

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Gelinkt

 

 

2 Gedanken zu „154/10: Session.Review: Afrikanisches, vier Griffe, Mittelamerika – von der rückwärtigen Analyse“

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