384/11: BandSoziologe: Der Altersunterschied in der Band und Auswirkungen auf Konfliktfähigkeit

Banner Der BandSoziologe

„Eine Erfolgsformel kann ich dir nicht geben; aber ich kann dir sagen, was zum Mißerfolg führt: der Versuch jedem gerecht zu werden.“ #Herbert Bayard Swope (danke, Mae)

Es meint einen Unterschied, allein wenn die Bandmitglieder in deiner Band unterschiedlichen Alters sind. Erfahrungsgemäß ist ein Mensch, je länger er lebt, erfahrungsintensiver. Bis sich die Sache ins Gegenteil verkehrt. Demenz, um das gleich klarzustellen, ist in der BandSoziologie nicht Gegenstand unserer musikalischen Gemeinschaftsbetrachtungen.

  • Da wo der Mensch steht, kann man ihn abholen. Anderswo geht´s nicht.

Joseph Kennedy - Zitat

Joseph Kennedy bläute diese Maxime seinen Söhnen ein. Der Rest ist bekannt.

Auf alles andere will ich gar nicht groß eingehen, auf die Frage allerdings, wie gekonnt mit der Bandrealität umgegangen wird, schon, denn das ist ja das Kernanliegen des BandSoziologen:

  1. Der eine sagt, er ist mit etwas unzufrieden.
  2. Der zweite sagt, er ist es nicht.
  3. Der dritte sagt, man dürfe das so nicht sagen, man müsse auch berücksichtigen, dass dies eine Geschichte hat.
  4. Der vierte sagt, warum der eine (zu 1.) das kritisiere, das sei „nicht seins“. Er bringt zum Ausdruck, er sehe die Welt nicht durch diese Brille. Ihm käme es auf ganz andere Faktoren an. Und was man sagt, so sagt er, müsse darauf abgestellt sein, was man damit zu erreichen trachte!

All das lässt sich übrigens kaum ändern. So viele Bandmitglieder es gibt, mindestens so viele Meinungen gibt es auch. Und auch Vorgehensweisen. Ganz klar.

Weil das so ist, lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass alles „Harmonie suchen“ unter den gegebenen Umständen nur so lange sinnvoll ist, als du dir selbst weiteres noch zumuten möchtest. Du selbst hast eine Toleranzschwelle, die jetzt angegriffen ist. Wie stark der Leidensdruck von dir konkret ist, davon hängt ab, ob du mit dieser Band weiter machen möchtest. In jeder noch so tollen Band gibt es eine Toleranzschwelle der einzelnen Mitmusiker, an der sich festmacht, wie lange die Band noch in dieser Zusammensetzung leben wird.

Ich habe es in früheren Bands bspw. erlebt, dass (nur Beispiele)

– der Sänger sich aufführte, wie ein unerwachsenes, kleines Kind, unfähig Verantwortung zu übernehmen, kein Wunder, er hatte ja auch noch nie welche übernehmen müssen, und nun dieses schwierige Konstrukt namens Band, in dem es darum geht, in sozialer Art und Weise adäquat miteinander umzugehen…, es gelang ihm kaum, etwas von Wert über die Bandprobe hinaus zu retten, alles versank im Rahmen des Vergessens, Probe für Probe fingen wir wieder von neuem an,

– der Gitarrist sich bei jeder streitigen Diskussion immer auf einen scheinbar neutralen Platz begab, von dem aus er alles scheinbar moderierte, um dann zu sagen, man müsse sich so verhalten, wenn man etwas „Gemeinsames“ erreichen wolle. Nie bezog er direkt Position. Nie war er selbst Argumentgegner. Sein Faible für „Stellvertreterkriege“ allerdings, in denen er sich als Moderator fremder Anliegen betätigte, war in Wirklichkeit längst durchschaut. Seine eigene Einstellung, nach der es ausgesprochen unangenehm erscheint, sich in die Rolle des „Rechtfertigenden“ zu begeben, lebte er dessen ungeachtet immer weiter, in der irrigen Annahme, dies ginge auf Dauer gut. Tat es nicht.

– Ein weiterer Mitspieler empfand jede Auseinandersetzung mit seinem Zusammenspiel stets nur als Angriff auf seine Person, als etwas „Niedermachendes“, etwas Verletzendes, das man zurückweisen müsse, besser gleich im Keim ersticken! Und nachdem alles, was einmal als Kritik an ihm und seinem Spiel geäußert wurde, Ängste in ihm schürte, wies er fortan jede Einmischung in seine inneren Angelegenheiten möglichst gleich ganz harsch zurück.

Nichts ist so hart, wie die Wahrheit, die von einem unkorruptem Standpunkt aus dargetan wird! Direkt, unverschlüsselt, ohne Rücksicht auf Verluste! Einfach nur so, wie sie ist.

Und so weiter!

Je nachdem, wie die Bandkonstellationen sich nun gestalten, ergeben sich Fraktionen bzw. Lager. Am besten ist natürlich eine Band, in der es keine Lagerbildung gibt. Eine Band, die den gesunden Kompromiss beherrscht, hat gute Chancen zu überleben. Jede Band, die dem faulen Kompromiss huldigt, als eine zusammengezogene Summe mehrerer Faktoren, von der aus ein „absichtliches bzw. versehentliches“ Minus als „kleinstes gemeinsames Vielfaches“ festgelegt wird, wird auf Dauer verlieren. Bands sind nur fähig zu überleben, wenn ein gesundes Maß an Interaktion, Austausch, Diskussion und guter Kommunikation vorherrscht. Ist die BandSoziologie gestört, wird die Band über kurz oder lang auseinanderbrechen.

Jeder Mitmusiker hat eigene Ziele im Rahmen einer Band, manche wenige haben nicht einmal das!

  • Jemand macht das Bandprojekt mit, weil er sich davon verspricht, regelmäßig aufzutreten, und das in halbwegs professionellem Rahmen! Zwölf Gigs pro Jahr oder vierundzwanzig?
  • Jemand macht das Bandprojekt, weil er gerne mal davon leben will. Er sieht das Potenzial der Bandwerdung.
  • Jemand macht Musik, weil er einmal in der Woche gern ein paar Bier mit ein paar Kumpels trinkt, einen kifft und ansonsten Musik schon immer gern macht. Musik machen, das ist sowas ähnliches wie abhängen, oder -wie ein alter Freund von mir es auszudrücken pflegte: „schimmeln“.  Schimmeln für den Weltfrieden! Spak, spak!
  • Jemand macht Musik, weil er mit sehr guten Freunden gemeinsam eine gute Zeit haben will, so ähnlich, als wäre er Mitglied in einem Schützenverein, im Anglerclub oder Motorrad-Verein. In erster Linie geht es um eine gute Community.
  • und viele andere Fallgestaltungen …

Aber welche Ziele hast du selbst als Musiker? Zu welcher Gruppe gehörst du?

Darüber werde dir klar. Endlich.

Denn es gibt Konstellationen von Bandzusammensein, wo es unterschiedliche Ziele (Motive) gibt, in denen es gemeinsam sehr gut funktioniert. Und es gibt tödliche Konstellationen, in denen alles nur eine Zeit lang „funzt“ und dann gibt es den großen Supergau unterdrückt gebliebener Emotionen, die komplette Entladung und die augenblickliche Atomisierung von vorherigen Bandkonstellationen.

Die Beatles

Die Beatles sind ein gutes Beispiel für eine ursprünglich sehr gute, funktionierende BandSoziologie. Man kann die Jahre 1960 bis 1970, vielleicht mit Ausnahme der Schlagzeugerposition, die 1962 noch neubesetzt wurde, als die guten Jahre der Beatles bezeichnen. Im April 1970 löste sich die Band offiziell auf. In Wahrheit war sie schon vorher kaputt. Schuld an der Trennung der Beatles waren die Beatles selbst, und nicht

  • Yoko Ono (John Lennon)
  • Pattie Boyd (George Harrison) oder
  • Linda Eastman (Paul McCartney)

Die Beatles hatten den gemeinsamen Nenner verloren. Sie waren endlich erwachsen geworden! Ganz einfach, oder? Weniger einfach die insofern spannende Frage, ob wer noch Absichten mit der Musik verfolgt, als Erwachsener immer größere Schwierigkeiten erfährt, Bandmitglied zu sein/zu bleiben? Ob sich der Mensch schlechthin als Bandmitglied nicht eignet, wenn er erwachsen geworden ist? Soviel ist sicher: Diese Frage vertiefe ich heute nicht.

Ein Gedanke zu „384/11: BandSoziologe: Der Altersunterschied in der Band und Auswirkungen auf Konfliktfähigkeit

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