1879/19 #Personen Der Künstler Yassin bei den Sieben Wasser Sessions

Video/Foto (Antonioni, Blow Up)


Yassin – Sieben Wasser Session (Live Konzert) | DIFFUS

#diffus #siebenwassersession #yassin

Über die Sieben Wasser Sessions hatten wir hier mit dem Song Abendland des bemerkenswert sprachkünstlerischen Artisten Yassin schon berichtet.

Unter der Federführung des Musikmagazins Diffus ist aber auch der Gesamtauftritt aus dem September videotisch verbrieft und wirklich sehens- und anhörenswert.

Großartiger Yassin: Ein Mann, der vielfach richtige, treffende und tief hintergründige Worte findet.

Wenn Worte meine Sprache wären, ich tät es ihm gleich tun.

Chapeau, Yassin. Wir werden wohl noch von Dir hören.

1878/19 #Tageslied „Viel zu weit“ (Die Zöllner) – performed live am 09.11.19 am Brandenburger Tor

Icon #Tageslied

Icon #Tageslied

Pink Floyd - The Wall (gif)

The Wall - Die Mauer (gif)


DIE ZÖLLNER | Viel Zu Weit (09/11/2019 – Große Bühnenshow am Brandenburger Tor)

DIE ZÖLLNER mit „Viel Zu Weit“ am 09. November 2019 im Rahmen der Großen Bühnenshow am Brandenburger Tor zu „30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall“. Der Titel ist auch auf unserem neuen Album „ZACK! ZACK! ZESSIONS“ zu finden! Das Album ist auf unserer Webseite und überall im Handel auf CD, DVD sowie als Stream und Download erhältlich.
► https://shop-die-zoellner.de
► http://hyperurl.co/diezoellner

Lineup:
Dirk Zöllner – Gesang, Gitarre
André Gensicke – Keyboard, Gesang
Oliver Klemp – Bass
Andreas Bayless – Gitarre
Lars Kutschke – Gitarre
Stephan Salewski – Schlagzeug
David Skip Reinhart – Trompete
Frank Fritsch – Saxophon
Gerald Meier – Posaune
Anna-Marlene Bicking – Gesang, Keyboard, Percussion
Rubini Zöllner – Gesang
℗ & © 2019 A&O Records | DIE ZÖLLNER

Ich war in Salamanca (Nordspanien) auf einer Rückreise aus Portugal. In irgendeinem verlotterten Straßencafé nahmen wir einen Imbiss. Oben hing ein Gernsehgerät an einem Halter, mit 30° Blickwinkel. Aus dem Augenwinkel betrachtet. Genosse Egon Krenz sabberte irgendwas Deutsches in die Mikrofone, aber verstehen was, konnten wir nicht. Der spanische Sprecher übersetzte das so laut, dass man es nicht verstehen konnte. Blassblaue Minuten, aber dass da etwas keimte, dass es funkte, lodernde Glut (Begriffsfindung: Edmund Stoiber), war klar. Es tat sich etwas Weltbewegendes.

Wir snackten und imbissten schneller. Es packte uns, meine Freundin Kerstin und mich, eine große innere Unruhe: Wir müssen dringend nach Haus. Wir führen weiter Richtung Frankreich. Es war eine schnelle Elle, Tempopedal am Anschlag, und rein nach Belgien. Das Autoradio blieb die ganze Zeit an. Irgend so ein belgischer Nachrichtensprecher sagte immer wieder loopartig sowas wie „Die Mür iss open“ – ich hab es bestimmt falsch geschrieben. Ich verstehe nichts von belgischen Fritten. Irgendwelche Einsprecher, Willy Brandt im O-Ton, Walter Momper und etwas in der Art „Wir Deutschen sind heute das glücklichste Volk der Welt.“ Ich fing an zu begreifen, die Mauer wurde geöffnet.

Wir mussten so schnell wie möglich nach Haus. Es war schon dunkel. Unsere Tagesroute, rechneten wir nach (ohne Smartphones und Navigation, wie 1989 üblich). Es schien von Anfang an unrealistisch: Wir konnten Berlin am 9. November nicht erreichen. „Viel zu weit.“ Aber unsere Blicke gingen weit in die Ferne. Manchen Moment lang konnte ich nichts sehen. Immer wieder schossen mir die Tränen. Wir schafften es an diesem Abend noch bis Hamm-Uentrop in Nordrhein-Westfalen und nächtigten dort, um am frühesten Morgen weiter Richtung Berlin zu schießen.

Die Rückreise nach Berlin verlief bis zur innerdeutschen Staatsgrenze problemlos und sollte sich als Vorhaben, in die DDR einzureisen, nicht weiter schwer darstellen. Man zog nur DDRseitig von dannen, um später wieder heimzukehren. Allerdings war die andere Richtung, Richtung Einreise Westdeutschland (Helmstedt) praktisch unpassierbar. Hier reihten sich Trabbis an Trabbis, ich schätzte die Fahrzeugkolonne auf der Ausreiseseite DDR auf vielleicht 50 km Gesamtlänge. Auf dem Mittelstreifen zwischen Einreise (wir) und Ausreise (die DDR-Bürger) standen Hunderttausende Menschen, sie tanzten und lachten, es wurden Sektflaschen herumgereicht, Rotkäppchen. Es war die tränenreichste Rückreise meines Lebens, zurück nach Haus. Dieser Moment meines Lebens ist deutsche Geschichte. Endlich hatte sich mein Lebenstraum erfüllt: Die innerdeutsche Mauer musste weg. Das komplett zu verstehen, geistig all die jetzt noch folgenden Schritte bereits einzuordnen, war am 9. und 10. November des Jahres 1989 noch quasi unmöglich. Viele befürchteten, die DDR lasse nur diejenigen quasi ausreisen, die unzufrieden sind. Darauf deutete nichts hin.

Das sozialistische Experiment war gescheitert. Ich sage ganz bewusst: Leider. Ich bin Wessi.
Es ist keine Frage, dass auch das kapitalistische System zum Scheitern verurteilt ist, wenn wir so weitermachen…

Dann Gnade uns Gott.

Ich habe dieses Land „geliebt, wie man ein Kind wiegt, das man liebt“ (frei nach Pete Wyoming Bender):  Für Deutschland.
Das Lied des Tages: Die Zöllner, gestern vor dem Brandenburger Tor mit „Viel zu weit“

Nie wieder Krieg, Unfreiheit und Machtmissbrauch. Seien wir bitte, bitte gute, beste Demokraten. Wie schön wäre es gewesen, den Altparteien eine neue, bessere Alternative für Deutschland entgegen zu setzen, damit wir in Deutschland wirklich etwas verbessern? Es ist leider unabänderlich: Die sich AfD nennende Partei hat keine Chance, das zu werden. Der Traum ist aus. (Rio Reiser). Oder wie es die wunderbare Sarah Connor besingt: „Meine Stimme kriegt Ihr nicht.“ – No no never.

Liebe & Licht,
der Berichterstatter

1877/19 #Positionen Gedanken an Deutschland

Icon #Positionen

Icon #Positionen

The Wall - Die Mauer (gif)

Um den 09. November 2019 möchte ich persönlich zwei Gesichtspunkten Erinnerung geben und sie würdigen.

Erstens dem redlich gemeinten Versuch, nach einem durch und durch widerwärtigen Terrorregime im Anschluss an die Kapitulation Deutschlands am 08. Mai 1945 in einem Teil von Deutschland ein bis dahin undenkbares Experiment zu wagen, ein “besseres Deutschland” zu schaffen. Ich habe als Westberliner, Jahrgang 1962, erst im Verlaufe meines Lebens besser kennengelernt, dass es dazu Anlass gab. Dieses tausendjährige Reich durfte sich ein weiteres Mal auf gar keinen Fall wiederholen. Eine große Rolle spielte dabei für mich persönlich der DEFA-Spielfilm “Einer trage des Anderen Last”, der auf preisgekrönte Art und Weise diese Geschichte aus zwei Blickwinkeln versucht zu erzählen. Humorvoll, großartig und gekonnt treffen der Jungkommunist und der Pastor aufeinander und rasieren sich in der Lungenheilanstalt Beelitz, die Internationale singend und einen kirchlichen Choral. Besser konnte man zu jener Zeit vor der Wende nicht versuchen zu erinnern, dass es ein redlicher Versuch war, etwas besser machen zu wollen. Dieser Film ist leider inzwischen in Vergessenheit geraten.

Das die Regierung bildende Regime im Nachkriegsdeutschland hat allerdings allzu sehr den Verlockungen von Macht und Mitteln gehuldigt und erinnerte so später in seinen ganzen, teils durch und durch totalitären Strukturen an die Fabel “Farm der Tiere” von Georg Orwell, einem britischen Kommunisten, der im spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte. Ähnlich wie in “1984” nahm Orwell kongenial die Ausbildung totalitärer Machstrukturen aufs Korn und beschrieb die Bildung von Partei- und Glaubensapparaten auf eine nicht zu widerlegende Art und Weise. Auch das hat mich persönlich zutiefst berührt und geprägt. Ich selbst hatte funktionierende, proaktive Bande in die damalige DDR und suchte stets das Zusammensein mit deutschen Brüdern und Schwestern, um diese widernatürliche Teilung Deutschlands zu überwinden. Ich will diesen Aspekt nicht zu lang machen. Kurz gesagt war 1989 der tote Punkt dieses sozialistischen Experiments gekommen. Ich sag das als Wessi ohne zu jubilieren und zu sagen: “Siehste?” Sondern nüchterner.

Weiterlesen